Schweizer Monat
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Von Michael Wiederstein
Liebe Leserinnen und Leser
Wenn Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller «Zukunft schreiben», so endet das erschreckend häufig in Löchern unter dem Berg. Eine lange literaturhistorische Linie verbindet dabei so unterschiedliche Temperamente wie Friedrich Dürrenmatt («Winterkrieg in Tibet»), Hermann Burger («Die Künstliche Mutter») oder Christian Kracht («Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten»): sie alle...
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«Alcohol is like love», he said. «The first kiss is magic, the second is intimate, the third is routine. After that you take the girl’s clothes off.» – Raymond Chandler: «The Long Goodbye»
Von Stefanie Sourlier

Stefanie Sourlier, photographiert von Ayse Yavas.

Mit dem Nachtzug fahre ich ins österreichische Wels, aus nostalgischen Gründen, da die Nachtzüge ja bald ebenso der Vergangenheit angehören werden wie Kassettenrecorder oder Kaiserpanoramen. Im engen Abteil lese ich Chandlers «Der lange Abschied». Chandler ist der einzige Autor, dessen Kriminalromane man ohne weiteres fünfmal lesen kann. Schwerer ist es, dabei nüchtern zu bleiben. Philipp Marlowe ist zwar «kein Morgentrinker», das...
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Von Urs Mannhart

Urs Mannhart, photographiert von Beat Schweizer.

Diese Stimmung, dieses Licht, diese Cafés und diese Gärten... es ist schwierig, Paris nicht zu mögen. Das habe ich vor ein paar Wochen noch geglaubt. Und dabei gar die Müllabfuhr gelobt, die jeden Morgen um halb sieben mit rasselndem Motor unter meinem Fenster anhält, ächzend zwei Altglascontainer hebt und deren Inhalt so in den offenen Bauch des Wagens kippt, dass nicht nur das Glas, sondern auch meine Träume zersplittern. Als ich aber neulich im Jardin de...
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Schweizer Literatur zwischen Science-Fiction, Utopie und Weltuntergang
Von Redaktion
Raumschiffe, Cyborgs, fremde Wesen: die Science-Fiction ist über Hollywoods Megaproduktionen längst in der gesellschaftlichen Mitte angelangt – und erfreut sich grosser Popularität. Wenig bis nichts weiss man hingegen über die hiesigen Zukunftsvisionen und Alternativweltgeschichten. Dabei scheint gerade die helvetische Konföderation ein fruchtbarer Hort für soziale Experimente und Zukunftsdenken zu sein. Das SNF-Forschungsprojekt Conditio extraterrestris, das... » Mehr
Ein literarischer Streifzug durch vergangene und kommende Jahrhunderte
Von Conditio extraterrestris

Team «Conditio extraterrestris» (von links): Boris Buzek, Philipp Auchter, Mateusz Cwik, Krystina Schaub, Philipp Theisohn, Julia Salome Nauer; photographiert von Michael Wiederstein.

Am 1. September des Jahres 2660 steht der Welt ein grosses Ereignis bevor: Ralph 124C 41+, einer der grössten Wissenschafter des Jahres 2660 und einer der zehn Menschen auf der Erde, denen es erlaubt ist, das «+»-Zeichen ihrem Namen anzuhängen, hat sein grosses Experiment beendet und ein Verfahren ersonnen, mit dem sich Tote wieder zum Leben erwecken lassen. Als er seinem Freund Edward über den Telephoten das Resultat seiner Forschung präsentieren will,...
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Kurzgeschichte von Jonas Lüscher. Mit Illustrationen von Matthias Wyler
Von Jonas Lüscher, Matthias Wyler
Naa Bolkok Kowij hatte wenig Erfahrung mit dem Tragischen. Ja im Grunde genommen war es ihm gänzlich unbekannt. Nicht etwa, dass er nicht am eigenen Leib genug erfahren hätte, was ich selbst, ohne zu zögern, als tragische Ereignisse beschreiben würde. Angefangen beim frühen Verlust seines Vaters, der, als der Winter nicht enden wollte, das Dorf verliess, um etwas Essbares für Bolkok und seine jüngeren Geschwister zu finden, und nicht zurückkehrte, so...
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Wenn Jules Verne, Aldous Huxley und der Traum vom ewigen Leben zusammenfinden, ist der Physiker und Philosoph Marc Atallah nicht weit. Besuch im einzigen Science-Fiction-Museum der Schweiz.
Von Florian Oegerli, Gregor Szyndler, Marc Atallah

Marc Atallah. Bild: zvg.

Marc Atallah, Sie leiten das Museum «Maison d’Ailleurs – Musée de la science-fiction, de l’utopie et des voyages extraordinaires» in Yverdon – ein nicht nur schweizweit einzigartiges Museum im Zeichen von Science-Fiction und Utopie. Ein wichtiger Bestandteil des Museums ist die Jules-Verne-Bibliothek. Beginnen wir mit ihm: Wie stark hat Jules Verne das Genre Science-Fiction geprägt?  
So gut wie gar nicht.
Wie bitte? Den Franzosen gilt...
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Belesene Technikgläubige suchen die literarischen Gedankenexperimente der 1950er Jahre in die Wirklichkeit umzusetzen. Wie weit sind sie schon? Und welchen Ausweg liefert die Literatur?
Von Sabine Haupt

Sabine Haupt, photographiert von David Gagnebin-de Bons.

«Die Blinden sehen und die Lahmen gehen» (Mt. 11, 5) – was einst religiöses Heilsversprechen, ist heute technische Realität. Ja diese geht noch weiter: Taube hören, Armlose greifen – dank computergestützter Prothesen –, komplex vernetzte Computer sorgen für mehr Verkehrssicherheit, einen nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen oder bessere Krankheitsprävention. Schöne neue Welt also? So unproblematisch...
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Zwei Schriftsteller, zwei Generationen, zwei Weltuntergänge: François Höpflinger und Heinz Helle. Der eine schrieb seine satirische Version einer künftigen Schweiz in den 1980er Jahren («Die Stadt der Gnomen», «Reise zu den Neidgenossen»), der andere sorgte letztes Jahr mit seiner Dystopie, in der eine Gruppe von Freunden die Zivilisation in Trümmern vorfindet («Eigentlich müssten wir tanzen»), für Aufsehen. Wir setzten sie in Kontakt und fragten: Warum so düster? Ein Mailwechsel.
Von François Höpflinger, Heinz Helle
François Höpflinger: Heinz Helle, Ihr neuer Roman ist eine eindrückliche Weltuntergangsbeschreibung: es geht um ein paar Freunde, die nach einem Wanderausflug Zeugen des Endes unserer Zivilisation werden. Was war für Sie der Auslöser, diese Geschichte zu verfassen?
Heinz Helle: Der Roman hat eigentlich zwei Auslöser: den Verlust eines engen Freundes und die Angst vor dem Untergang der Europäischen Union angesichts der ersten Griechenlandkrise 2010. Beide... » Mehr
In der Westschweiz boomt literarische Science-Fiction. Mais pourquoi?
Von Jean-François Thomas
Als Herausgeber zahlreicher Anthologien zum Thema beobachte ich den Science-Fiction-Kosmos der Romandie schon seit einiger Zeit. Es ist auffällig, dass sich der literarische Stellenwert des Genres, mal Unterhaltungs- und mal Hochliteratur, zunehmend wandelt: Am Buchsalon in Genf etwa wurde der Science-Fiction in diesem Jahr besonders viel Platz eingeräumt – und das Publikum liess sich nicht lumpen. Science-Fiction als Genre interessiert, seine Autorinnen und Autoren nicht minder.... » Mehr
Von Ruth Gantert, Vincent Gerber
Geschäftsstelle SuissID, guten Tag! Freut mich, Herr Lampin. Selbstverständlich. Wie sieht ihr Zeitplan aus? Nächsten Donnerstag, Moment, ich schaue rasch nach ... Ja, da ist noch etwas frei, 13.30 oder 15.30? 15.30, perfekt. Also normalerweise ist mit einer guten Stunde zu rechnen. Prima. Haben Sie sich schon für eine Methode entschieden? Die schmerzloseste. Ja. Verstehe. Da kann ich Ihnen Gas anbieten, absolut schmerzlos – und Sie können erst noch von einem... » Mehr
Von Markus Rottmann
Was verschweigen die Berge? Was geschieht mit der Wahrheit, wenn sie vom einzigen erzählt wird, der sie überlebt hat? Wie gesetzestreu ist der Mensch, wenn er weit über dem Gesetz steht? Also, sagen wir mal, hoch auf einem Felsvorsprung in gerader Schusslinie zum umherstreifenden Sauhund, den man schon lange und am liebsten...? Was macht es mit einem Schmuggler, wenn er auf seinen Schleichwegen nicht Reis und Pasta führt, sondern von der SS verfolgte Frauen, Männer und... » Mehr
Ta-Nehisi Coates: Zwischen mir und der Welt. Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. Berlin: Hanser, 2016.
Von Miriam Hefti
Jeder Bewegung, jedem Blick wohnt ein Verdachtsmoment inne, begleitet von permanenter Angst, die tief ins Leben greift. Das ist unglaubliche Realität für Schwarze in den USA. Oder deutlich nüchterner: «All das ist normal für Schwarze», schreibt Ta-Nehisi Coates in seinem Buch «Zwischen mir und der Welt». Die unzähligen Nachrichten, die durch die medialen Kanäle rauschen, sind nur die sichtbare Spitze des Eisbergs: Der afroamerikanische... » Mehr
Von Lesern für Leser
Von Redaktion
Dieser irre Wunsch nach mehr
Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt. München: C.H. Beck, 2016. besprochen von Klaus Hübner, Germanist und Redaktor, München.
Die Sehnsucht nach einem besseren Leben und der innige Wunsch nach Liebe und Glück – vielleicht ist das immer schon sein Hauptthema gewesen. Und das Niemalsaufgeben, das Weiterkämpfen, auch in bitterer Hoffnungslosigkeit. Der 1967 im rumänischen Timisoara geborene Zürcher... » Mehr
Bern – Bregenz – München: 6 Stunden, 45 Minuten
Von Francesco Micieli

Francesco Micieli, photgraphiert von Michael Wiederstein.

Immer wieder erstaunt es mich, dass man, um mit einem angenehmen Zug von Bern nach München zu gelangen, über Österreich fahren muss! Die Reise führt über Bregenz – wo man auch noch 17 Minuten warten muss. Nun, wer mit einem Buch in der Jackentasche reist, dem machen 17 Minuten Entschleunigung nichts aus! Diesmal ist es das Romandebüt von Laura Vogt. An ihrem Wohnort, in Sankt Gallen, wo mein Zug auch hält, bloss nicht so lange, strecke ich es in die...
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Von Andrea Bianchetti
In Erwartung des Sommers möchte ich auf ein neues literarisches Projekt hinweisen, das der Mailänder Verlag Marcos y Marcos kürzlich initiiert hat und an dem auch zwei wichtige Tessiner beteiligt sind: der Lyriker und Lehrer Fabio Pusterla sowie der Künstler, Dozent und Verleger Luca Mengoni. Die neue Lyrikreihe heisst «le ali» («die Flügel»), betreut wird sie von Fabio Pusterla.
Das Festival «ChiassoLetteraria», das – wie immer... » Mehr
Von Ruth Gantert
«Bonjour, Genève!», rief Lukas Bärfuss munter in die am Samstagmorgen noch etwas verschlafene Halle des Salon du livre. Mit seiner Frau Muriel Pic stellte er die gemeinsame Auswahl und Übersetzung von sieben Briefen Walter Benjamins vor («Lettres sur la littérature», Zoé). Dabei ging es um den Umgang eines Schriftstellers und Intellektuellen mit Nonkonformismus und Polemik in den dreissiger Jahren – und heute.
Insgesamt war der Salon... » Mehr
Siegertext des ersten TREIBHAUS-Durchgangs im Jahr 2016, ermittelt durch Jury und Publikum am 11.5.2016 im Zürcher «Kaufleuten».
Von Alexander Raschle
Es wurde dunkel, als der Gefreite seinen Posten einnahm. Auf viertausend Metern Höhe verschwand der Abglanz der Sonne im Grau hinter dem Gebirge. Das zu beobachtende Tal lag im Nebel, die Umrisse der toten Stadt zwischen den Gräben markierten die Frontlinie. Vom Belagerungswall war nichts zu sehen, obwohl der Gefreite immer gehört hatte, dass er sich bis in die Stratosphäre erstrecken sollte.
Der Wind blies aschgrauen Schnee durch die Scharte des Beobachtungspostens ins... » Mehr
Von Daniel Mezger
Nein. Kann man nicht. Anders ist das in anderen Künsten. Schauspieler beispielsweise kann jeder werden. Auf den Schulen geht es nur darum, die komplette Persönlichkeit zu entfernen, bis ein leerer Mensch bleibt. Dem kann man fortan jede Rolle überstülpen.
Oder Klavier: da braucht es bloss eine russische Lehrerin, die einem mit dem Stock so lange auf die Finger haut, bis diese von selbst die richtigen Tasten finden.
In der Malerei bringt ein Grossmeister den Kunsteleven bei,... » Mehr
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