Schweizer Monat
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Von Michael Wiederstein
Liebe Leserinnen und Leser
Unsere Literaturzeitschrift geht in ihr sechstes Jahr. Seit 2011 ist, wie viele von Ihnen wissen, viel passiert. Unser Verlag ist gewachsen, die Zeitschrift hat sich weiterentwickelt, findet immer mehr Leser, gerade auch unter jüngeren Menschen – und unsere Redaktion ist heute deutlich breiter aufgestellt als noch vor wenigen Jahren.
Obwohl uns bei der Lancierung des «Literarischen Monats» mehrfach warnend gesagt wurde, dem Magazin gingen wohl... » Mehr
«Trunken» – zum Verhältnis von Literatur und Alkohol
Von Stefanie Sourlier
«WHITE HORSE: der Schriftsteller scheut sich vor Gefühlen, die sich zur Veröffentlichung nicht eignen; er wartet dann auf seine Ironie; seine Wahrnehmungen unterwirft er der Frage, ob sie beschreibenswert wären, und er erlebt ungern, was er keinesfalls in Worte bringen kann. Diese Berufskrankheit des Schriftstellers macht manchen zum Trinker.» – Max Frisch, «Montauk»





 





Schluss, fertig, aus. Ich höre auf damit. Mit der...
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Von Urs Mannhart
Dass ihm Fahrgäste beim Einsteigen ein Glas Marmelade schenken möchten, ist der Chauffeur dieses Postautos in Klosters nicht gewohnt. Verdutzt legt er, nachdem er verstanden hat, dass wir doch auch mit Geld bezahlen wollen, die fremde Ware in jene Mulde, aus der man üblicherweise das Rückgeld klaubt, überblickt im Rückspiegel die wenigen Reisenden, legt den Gang ein und fährt los. Die Konfitüre haben wir am Vorabend selbst geschenkt bekommen, in einem...
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Von Redaktion
Was haben wir dem Geniekult nicht alles zu verdanken. Schiller und Goethe in Endlosschlaufen. Die Erwartung an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, ihre Texte in nächtlichen Schaffenseskapaden eher zu entbinden als zu schreiben. Schreibpornographische Anwandlungen, zelebriert auf Social Media: Stapel handschriftlich vollgesudelter Blätter auf allen Timelines. Die Vorstellung eines ungestümen Schreibrauschs, der sich auf unausgeschlafene Schreiberinnen und Schreiber stürzt.... » Mehr
Von Christoph Simon
Schreiben – ein Rausch? Schreiben ist eine Qual. Begleitet von Zweifeln an mir und Zweifeln an der Sache. Ich steige nur ungern in diesen dunklen Keller hinab. Ich tue es, weil Glanz, Ruhm und Geld die Mühen wert sind.
Einen Schreibrausch habe ich ein einziges Mal erlebt. Er dauerte von Februar bis August im Jahr 2000. In diesen Monaten schrieb ich frohen Mutes um mein Leben, unbekümmert um Teufel, Leser und Selbstkritik. Im Februar war es in der Mansarde unter dem Dach so kalt,... » Mehr
Von Magnus Wieland

Abbildung 2: Hans Morgenthaler, Brief an Elisabeth Thommen (Schweizerisches Literaturarchiv, Bern/Nachlass Hans Morgenthaler).

Der erste Kontakt zwischen dem Verleger Egon Ammann und seinem künftigen Hausautor Thomas Hürlimann beginnt mit einer Irritation. Bei einem Aufenthalt in Berlin um 1980 will Ammann die Gelegenheit nutzen, sich mit Hürlimann spontan zu verabreden. Doch bekommt er auf Anfrage zunächst eine abschlägige Antwort: Es gehe erst abends, da Hürlimann tagsüber «feste Bürozeiten» einhalte. Der Autor lässt den Verleger also zunächst einmal...
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Von Michael Fehr
Michael Fehr ist Erzähler und zweifacher Literaturpreisträger des Kantons Bern sowie Träger des Klagenfurter Kelag-Preises. Sein neuestes Werk «Glanz und Schatten», aus dem der Text «Der Eroberer und Emperor» stammt, ist im März im Verlag Der gesunde Menschenversand erschienen.
Lassen Sie sich von ihm, wortgewandt wie abenteuerlustig, entführen in eine Welt kolossaler Imaginationen.
Wir danken dem Autor und dem Verlag für die... » Mehr
Von Michael Fehr
Michael Fehr ist Erzähler und zweifacher Literaturpreisträger des Kantons Bern sowie Träger des Klagenfurter Kelag-Preises. Sein neuestes Werk «Glanz und Schatten», aus dem der Text «Welch Einfall» stammt, ist im März im Verlag Der gesunde Menschenversand erschienen. Sind Sie waghalsig genug für eine Reise ins Herz einer alles andere als phantasielosen Familie - und darüber hinaus? Dann lesen Sie hier weiter! Wir danken Autor und... » Mehr
Warum Flow und Schreibrausch Ausnahmen bleiben sollten. Besuch bei einer Arbeitspsychologin.
Von Gregor Szyndler, Maike Debus, Alicia Romero
Frau Debus, wir sind hier, um mit Ihnen über das Thema Schreibrausch zu sprechen…
Was ist denn das eigentlich, ein Schreibrausch?
Wir hofften, Sie könnten uns das sagen: immerhin haben Sie den Flow bei Programmierern, Klavier- und Schauspielern untersucht…
Trotzdem: was soll das sein, ein Schreibrausch? 
Wenn man sich ohne bestimmte Schreibabsicht hinsetzt, und schwups sind fünf Stunden vorbei und zwanzig Seiten geschrieben, und das mit hoher... » Mehr
Von Laura Wohnlich

Laura Wohnlich, photographiert von Christian Knörr.

Berlin-Charlottenburg, Hotel Kaiser: Es ist der Morgen nach einer ordentlich durchzechten Nacht, wie sich das gehört für diese Stadt. Was sich weniger gehört: der Wecker hat geklingelt. Um acht Uhr früh. Aber das hat einen bestimmten Grund: ich bin hergekommen, um zu arbeiten. Dies ist mein ganz persönliches Schreib-Weekend, nur ich und mein Laptop und mein neues Romanprojekt. Angestachelt von einem Haufen inspirierender Gedanken, begünstigt durch einen...
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Von Romana Ganzoni
Eine bestimmte Art von Text – ich nenne ihn «den maschinellen» – kommt aus der Versenkung. Wenn er drängt, weiss ich, es gibt ihn schon, ich muss ihn nur noch aufschreiben. Es ist der entgegengesetzte Prozess zum Pullover im Trickfilm, der zum Faden wird. Tom oder Jerry ziehen daran und merken es nicht. Der Text strickt sich selbst. Ich halte die Hände hin, die in einem Zustand der Empfänglichkeit sind. Dieser entsteht, wenn ich Zeit an den Rändern des... » Mehr
Von Viktor Martinowitsch
Man kann nicht vom Schreibrausch reden, ohne zuzugeben, was die Substanz des Schreibjunkies ist: die Sprache. Sprachen schmecken und wirken verschieden. Englisch würde ich mit dem letzten Jägermeister gleichsetzen, den man trinkt, bevor die Lichter ausgehen. Französisch ist eher wie Kokain – wegen dem Geschmack und der bombastischen Grammatik. Nun erwarten Sie bestimmt, dass ich meine dritte Schreibsprache, Russisch, mit Wodka vergleiche. Das tue ich aber nicht. Russisch und... » Mehr
Von Nora Zukker
Beim Hanteltraining bin ich ganz bei mir, denke scharf und schnell: in Szenen oder unsortierten Sätzen. Oft höre ich erste Dialoge zwischen Figuren. Ziemlich schnell weiss ich: daraus lässt sich etwas machen. Oft ist es auch einfach: nichts. Aber wenn, dann weiss ich: jetzt geht es los. Jetzt bin ich in der Zwischenzone. Jetzt trete ich über vom durchaus aufregenden Alltag mit seinen Auftragstexten, umzutopfenden Kakteen und sozialen Kontakten in den Rausch, wo alles... » Mehr
Von Urs Peter Schneider
Wolfgang Amadeus Mozart: «Es ist alles kalt für mich, eiskalt.» – Arbeit eines kühlen Kopfes, eines pfeilschnellen Federkiels. – Rausch als im Widerspruch zur Meisterung und geistigen Durchdringung. – Als Künstler misstraue ich dem Rausch, den ich als Privatperson nicht durchwegs meide. – Rauschgold: dünngewalztes Messingblech, bei Bewegung knisternd. – Neues und Unwahrscheinliches in luzidem Rausch sogleich entsorgen.
Das Rauschen... » Mehr
Kurze Sätze über Grate
Von Markus Rottmann
Es war ein Nichts. Die Kletterei lag hinter uns. Beim Abstieg über ein Geröllfeld probierte ich die Beschaffenheit des Altschnees und kann weder sagen wie noch weshalb, doch ich glitt aus und wurde extrem schnell extrem schnell. Man könnte auch sagen, ich schoss auf die am Ende des Firnfelds wartenden Felsblöcke hinab. Pickel, Helm, Steigeisen gut im Rucksack versorgt, schlug ich ungebremst in blockigen Stein. Ab hier abweichende Versionen. Während ich Schussfahrt... » Mehr
Buch des Monats
Von Serena Jung
Vom Leben einer Generation in ungekannten Dimensionen – davon handelt Zadie Smiths neuer Roman «Swing Time». Zugegeben, das lässt sich vom Leben jeder Generation seit 1800 behaupten, darum hier die aktuellen Eckdaten: Digitalisierung, Informationsflut und -unsicherheit, Mobilität (räumlich, sozial), Zugehörigkeit (familiär, sozioökonomisch, popkulturell). In diesen Kontext setzt Smith ihre namenlose Erzählerin, 32 Jahre alt, mit der wir ein... » Mehr
Von Lesern für Leser
Von Redaktion
Jetzt ist schon wieder nichts passiert
Lorenz Langenegger: Dorffrieden. Salzburg: Jung und Jung, 2016.besprochen von Florian Oegerli, Kulturjournalist, Leipzig.
Für Reich-Ranicki war die Langeweile das «höchste ästhetische Kriterium». Was langweile, sei keine gute Literatur. Dabei vergass er leider zu erwähnen, dass in der Literatur vor allem etwas für Langeweile sorgt: Spannung. Bücher, in denen eine «Krise» die nächste jagt, sind so... » Mehr
Micieli reist
Von Francesco Micieli
Ich reise nach Bayreuth, denn dort bin ich vom Lehrstuhl Interkulturelle Germanistik eingeladen, über «Schreiben für Musik» zu sprechen. Meine Begleitung: das erste Buch von Sebastian Steffen, «Aschtronaut unger em Miuchglasdach», erschienen beim Verlag «die Brotsuppe» in Biel.
«Füf Jahr sy mir zäme gsi. D Sofie und ig.»
Als ich in Basel in den Zug nach Karlsruhe umsteige, werde ich von einer Studentin mit teurem Rucksack in... » Mehr
Von Redaktion
Irvine Welsh «Skagboys» (Heyne, 2015; übersetzt von Daniel Müller) / Die Szene, die Mark Renton zu dem Mark Renton macht, den Millionen von Kinobesuchern bei einem Tauchgang in eine Toilette (und beim kalten Entzug) beobachteten, hat es in sich: Mit seinem Vater Davie und dessen Gewerkschaftskollegen nimmt er am Bergarbeiterstreik vor der Kokerei in Orgreave teil und muss zusehen, wie der Protest in einem katastrophalen Blutbad endet. Die sich nun entspinnende Vorgeschichte... » Mehr
Schreibwettbewerb zum Erscheinen von Hermann Burgers «Lokalbericht» Gewinnertext von Rudolf Ingold.
Von Rudolf Ingold
Geehrte Herren
«Lokalbericht»: Das Bild stimmt in Teilen.
«Maienzug». Die «Mahlzeitenkommission» einigt sich seit Jahren auf Kartoffelstock. Die «Wetterkommission» tagt früh. Schüsse für alternde Kanoniere vom Hungerberg: Schön- oder Schlechtwetterprogramm? Kartoffelstock bei Trockenheit oder Kartoffelsuppe. Liebesleid an diesem Jubeltag gehört dazu!
«Bachfischet». Halbherziger Anlass. Den Lehrpersonen der... » Mehr
Von Redaktion
Bereits zum sechsten Mal zeichnete das Bundesamt für Kultur die herausragenden Neuerscheinungen des vergangenen Literaturjahres aus. Wir stellen Ihnen die Preisträgerinnen und Preisträger an dieser Stelle in Wort und Bild vor.
Corinne Stoll hat die Autorinnen und Autoren in ihrem Schreiballtag begleitet und die Ausgezeichneten darin bildstark festgehalten.
Der Grand Prix Literatur geht dieses Jahr an Pascale Kramer, Charles Linsmayer wurde mit dem Spezialpreis... » Mehr
In diesem Jahr erhält der Schriftsteller und Publizist Charles Linsmayer den Spezialpreis Vermittlung des Bundesamtes für Kultur. Eine Begegnung in Zürich.
Von Gregor Szyndler
Herr Linsmayer, Sie erhalten den diesjährigen Spezialpreis für Literaturvermittlung des Bundesamts für Kultur. Wie kam es dazu, dass Sie einen grossen Teil Ihrer Zeit dafür aufwenden, frühere, zum Teil vergessene Autoren wieder zugänglich zu machen?
Alles fing damit an, dass ich als Lektor beim Arche-Verlag auf die Idee kam, jeweils zu den Werken in einem Anhang den Autor oder die Autorin vorzustellen. Mit dieser Idee bin ich zu Franz Lamprecht gegangen, dem Chef... » Mehr
Von Redaktion

Photographiert von Corinne Stoll.

Pascale Kramer 
«Ania redécouvrait le silence et la liberté intimidante, invraisemblable, qui avait été la sienne les soirs où Gabriel partait dormir à Monceau. Elle se rendit dans la cuisine, trouva dans le frigo un plat préparé pour son père par Jacqueline, un hachis daté du samedi de sa mort. Une seule des trois appliques fonctionnait; elle obscurcissait plus qu’elle n’éclairait la...
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Von Andrea Bianchetti
Vor deiner Haustür liegt nun viel trockenes Laub, / seit du gestorben bist, wischt es niemand mehr auf. / Du machst dich auch morgens in der Früh nicht mehr frisch / und schaust auch, den Tag begrüssend, nicht mehr um dich. / Auch der Postbote geht nun an deiner Haustür vorbei / und sagt nicht mehr ‹Nein, danke› zum Gläschen Wein, / zu dem du ihn jeweils einludst mit einem Lächeln. / Hat auch er dein schönes Gesicht schon vergessen?»... » Mehr
Von Ruth Gantert
Ich halte bisweilen inne unter einem Wort / Unsicheres Obdach für meine Stimme die zittert / Und gegen den Sand ankämpft / Doch wo ist meine Wohnung / Oh Dörfer des Windes / So rück ich von Wort zu Wort / Zum ewigen Schweigen vor.» Am 16. Januar 2017 starb die Dichterin Anne Perrier 94-jährig in Saxon. Ihre schlichten, musikalischen Verse sprechen bildstark von Leben und Tod, von den Pflanzen und dem Licht des Südens. 2012 wurde ihr Werk mit dem... » Mehr
Von Peter Zimmermann
Hinter dem Schulhaus gab es einen kleinen Hügel. Dort sassen wir und blickten am Kirchturm vorbei auf die Dieselramme, die unten am See stand und Pfähle in die Erde trieb. Weisse Schwaden stiegen auf, wann immer der Fallblock aufschlug, erst Sekunden später hörten wir den dumpfen Knall. Wir versuchten, im Takt zu rauchen, den die Maschine vorgab. Joshua hatte filterlose Gauloises dabei, schon nach drei Zügen wurde mir übel, aber ich machte weiter, und am Ende musste... » Mehr
Schlussfrage XIII
Von Redaktion
Es ist wie mit Gott, wie mit der Überfremdung.
Man erfindet Wörter für Dinge, die es nicht gibt, und weil man sie benennen kann, scheinen sie zu existieren: Gott, Überfremdung, Schreibblockade.
Das Bild: Hinter dem schönsten Anfangssatzanfang («Es war eine dunkle und stürmische Nacht») blinkt der Cursor ins Leere, denn der Nichtschreiber kommt nicht weiter, leidet körperlich am Text, am Schreiben, am Zimmer, am Planeten. Er wird aufgefressen von... » Mehr
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