«Les billes du Pachinko»:
Auf unbestimmter Suche

Elisa Shua Dusapin schafft in ihrem zweiten Roman mit spärlich gesetzten Worten eine Atmosphäre des «Unbehagens zwischen den Kulturen».

«Les billes du Pachinko»:  Auf unbestimmter Suche
Elisa Shua Dusapin, fotografiert von Maurice Haas.

Zu Dusapins ausgezeichnetem Roman «Les billes du Pachinko» (Edition Zoé, 2018):

Die junge Genferin Claire verbringt einen Sommer bei ihren koreanischen Grosseltern. Sie leben in Tokio, der Grossvater führt dort ein Lokal mit Pachinko-Automaten – einer Art Kreuzung aus Flipperkasten und einarmigem Banditen. Claire ist auf einer unbestimmten Suche nach ihren Ursprüngen; Höhepunkt soll eine gemeinsame Reise nach Korea werden. Doch die Beziehung ist schwierig, nervt, tut weh: Claire ist lost in translation in einer Kultur, die doch auch die ihre ist (und in der japanischen dazu).
Elisa Shua Dusapin, Jahrgang 1992, schafft in ihrem zweiten Roman mit spärlich gesetzten Worten eine Atmosphäre des «Unbehagens zwischen den Kulturen». Ihr feines Sensorium für diese kleinen Schieflagen, Fragezeichen und Missverständnisse ist kein Zufall: Als Tochter eines Franzosen und einer Südkoreanerin zwischen Paris, Seoul und der Ajoie aufgewachsen, war sie solchen Fragen und Spannungen immer auch selbst ausgesetzt. Übrigens: Dusapins ebenso empfehlenswerter Erstling «Ein Winter in Sokcho» ist bereits auf Deutsch erhältlich. (Stephan Bader)

Ein Zitat aus dem Werk:

«Mon grand-père amène la cuillère à sa bouche dans un mouvement lent, vacillant. Enfin, il aspire d’un coup, comme si le contenu laborieusement amené jusqu’à ses lèvres pouvait s’évaporer. De temps en temps, il repose la cuillère, remplit un verre de soju. Il le fait avec application, sa main tremble mais rien ne déborde. Ma grand-mère, penchée sur son bol, lape vigoureusement, relève parfois la tête et me demande:
– Is good? Is good?
Je réponds tout bas:
– Ye, mashissoyo, c’est bon, oui.
En face d’eux, je m’efforce de manger aussi lentement que mon grand-père. Retarder le moment où nous aurons tous terminé, que le silence se fera plus lourd entre nous. Depuis mon arrivée, ils n’ont pas évoqué une fois notre voyage en Corée.»

Fotos: Maurice Haas.