Schweizer Literaturpreise 2017

Bereits zum sechsten Mal zeichnete das Bundesamt für Kultur die herausragenden Neuerscheinungen des vergangenen Literaturjahres aus. Wir stellen Ihnen die Preisträgerinnen und Preisträger an dieser Stelle in Wort und Bild vor. Corinne Stoll hat die Autorinnen und Autoren in ihrem Schreiballtag begleitet und die Ausgezeichneten darin bildstark festgehalten. Der Grand Prix Literatur geht dieses Jahr […]

Bereits zum sechsten Mal zeichnete das Bundesamt für Kultur die herausragenden Neuerscheinungen des vergangenen Literaturjahres aus. Wir stellen Ihnen die Preisträgerinnen und Preisträger an dieser Stelle in Wort und Bild vor.

Corinne Stoll hat die Autorinnen und Autoren in ihrem Schreiballtag begleitet und die Ausgezeichneten darin bildstark festgehalten.

Der Grand Prix Literatur geht dieses Jahr an Pascale Kramer, Charles Linsmayer wurde mit dem Spezialpreis Literaturvermittlung ausgezeichnet.

Wir gratulieren!

Schweizer Literaturpreise 2017: Laurence Boissier, Ernst Burren, Annette Hug, Michel Layaz, Jens Nielsen, Philippe Rahmy, Dieter Zwicky

Grand Prix Literatur 2017: Pascale Kramer
Spezialpreis Vermittlung: Charles Linsmayer

Photographie: Corinne Stoll

Die Redaktion des «Literarischen Monats» gratuliert allen Ausgezeichneten! Ferner danken wir dem BAK für die Unterstützung bei der Lancierung dieses Schwerpunkts.

www.literaturpreise.ch

 

Jens Nielsen

 

«Mit einer Lanze stand sie da im Mondlicht
Eine Wilde
Manchmal war ein Fuchs bei ihr
Wenn ich zu ihr hingehen wollte
Und sie etwas bitten
Zum Beispiel darf ich einen Teller Gurken mit dir essen
Fuchtelte sie mit dem Speer
Du Vielfrass»

Aus «Monokultur. für vivianne» in «Flusspferd im Frauenbad» (Der gesunde Menschenversand, 2016)

 

Geschichten für einen Freitag, den Dreizehnten. Im Januar dieses Jahres war es wieder so weit. Der Tag begann mit Hagel, der zu Schnee wurde und verschwand mit der Lichtung des Himmels. Jens Nielsen schreibt Geschichten für solche Tage – alles ist konkret, von nah betrachtet. Das eine führt zum andern mit hinreichend Grund, aber nicht zwingend. Nielsen erzählt aus einer Ich-Perspektive, die beinahe universal erscheint und Sätze abbrechen, Dinge ungesagt oder eben auch sehr genau benennen darf. Nielsens Protagonisten sind Bewusstseinsströme, die liebevoll und distanziert zugleich die aufrechten Frauen, die eingeengten Vögel – das Einbrechen der belebten Natur in unsere eingerichtete Realität überhaupt! – und die Handlungen, Regungen und Bewegungen ihrer körperlichen Träger beschreiben.

 

 

Michel Layaz

«La cloche de l’asile avait retenti, stridente. Louis déposa son violon dans la boîte en bois brun, rangea l’archet, fâché d’être interrompu. La musique est l’intervalle où l’on va se perdre, rien ne devrait l’empêcher. Il avait joué toute l’après-midi, voulait jouer encore, retrouver sa virtuosité, celle qu’il avait acquise à Bruxelles, celle qu’il possédait à l’orchestre symphonique de Lausanne. En essuyant sa nuque en sueur, il fit ses comptes: avec cinq élèves par jour, il pouvait s’en sortir, trouver une mansarde, vivre à son rythme. S’éloigner du sarcophage, il le fallait.»

Aus «Louis Soutter, probablement» (Éditions Zoé, 2016)

 

Michel Layaz, 1963 geboren, lebt in Lausanne. In «Louis Soutter, probablement» zeichnet er das Porträt von Louis Soutter (1871–1942), Cousin von Le Corbusier und wichtiger Vertreter der Art brut. Er erzählt das unstete, von Irrwegen durchzogene Leben des Künstlers, der mit 52 Jahren gegen seinen Willen in ein Altenheim eingewiesen wurde und vereinsamt verstarb. Viel zu weit weg von seinen in den USA und in verschiedenen Orchestern neu gefundenen Heimaten. Das Buch überzeugt durch dokumentarische Sorgfalt, stellt aber keine Behauptungen über Soutters Leben auf. Mit dem «probablement» aus dem Titel hat es seine Bewandtnis. Das Werk ist und bleibt Roman, eine Fiktion, keine Biographie. In diesem Buch drückt sich, wenn überhaupt, die Wahrheit des Schriftstellers und Kunstliebhabers Layaz aus. Aber Wahrheit, was ist das schon – aufgewogen gegen Schönheit und Sinnlichkeit einer solchen Prosa? «Personne n’osait affirmer que la musique aiderait à vaincre l’hébétude générale.»

 

Annette Hug