«Was mache ich auf Social Media, wenn nichts läuft (weil ich schreibe)?»

Als Kolumnistin wird sich Mireille Zindel fortan für den «Literarischen Monat» Gedanken übers Eigen-Marketing machen.

«Was mache ich auf Social Media, wenn nichts läuft (weil ich schreibe)?»
Mireille Zindel, fotografiert von Oksana Bernold.

Eigentlich bin ich die denkbar schlechteste Person, um über Selbstvermarktung zu reden. Schauen Sie sich meinen Instagram– oder Facebook-Account an. Ich bin Anfängerin, ich probiere aus und bin vielleicht allein aus diesem Grund dafür prädestiniert, darüber nachzudenken.

Selbstvermarktung ist auch in der Literatur unverzichtbar geworden. Der Autor muss auf die Bühne treten, um wahrgenommen zu werden, er muss sich präsentieren, er muss auffallen, sonst gehört er sozusagen zur endangered species (und manchmal, um nicht verrückt zu werden, muss er auch weghören, was die anderen so sagen).

«Die Arbeit des Autors ist unsichtbar.»

Das Problem ist: Die Arbeit des Autors ist unsichtbar. Nachdenken, einfühlen, sich etwas vorstellen, ausmalen – die Quellen der Inspiration, der Geistesblitz, die Musen – alles unsichtbar. Das Schreiben lässt sich nicht zeigen. Es steckt keine Bewegung darin. Die Reglosigkeit eines Schreibtisches … Was kann man zeigen? Den Spaziergang? Der Spaziergang zeigt das Abschweifen der Gedanken nicht, die Windungen, die sie nehmen. Was ist relevant? Was wüsste ich gerne über Patrick Modiano?

Schauplätze lassen sich zeigen, Quellen, Menschen, mit denen man geredet hat, Lektüre, Reisen, Recherche im weitesten Sinn. Bilder, die man mag. Bücher, die man gerne geschrieben hätte, Philosophen und Autoren, die einen inspirieren, Dinge, die einen magisch dünken, Orte, die man liebt, Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, Musik, die man während des Schreibens hört, Events, Festivals, Filme, die man wieder und wieder schauen könnte, Zitate, die einem gefallen. Und wenn der neue Roman erscheint: das Cover, das Buch in den Händen von Lesern.

Ich kenne einen Autor, auf dessen Instagram-Profil schlicht vermerkt ist: «Ich schreibe gerade an meinem zweiten Buch. Beantworte gerne alle Fragen per Mail.» Vielleicht geht es nicht so sehr um den Inhalt, sondern darum, in Kontakt zu bleiben, um Austausch, um ein gegenseitiges Sichbeobachten, um sich gegenseitig zu sehen und zu verstehen. Und ja: manchmal auch, weil sich das lohnt.

«Das Magazin, das in der
Schweiz gefehlt hat!»
Peter Stamm, Schriftsteller,
über den «Literarischen Monat»