Schweizer Monat
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Trash ist uninteressant. Interessant ist das Gespräch darüber: denn es dreht sich stets um die kulturelle Distinktion zum Höheren über die Kenntnis des Niederen. Aber warum eigentlich? Ein Versuch.
Von Philipp Theisohn
Die akademische Rede über Trash steht sich dauernd selbst im Weg. Den Gegenstand, mit dem sie es zu tun bekommen will, klassifiziert sie nämlich immer als ein Phänomen, das die ästhetische Ordnung stört, einen Gegenstand, den man aber als kulturtheoretisch sich gebender Verstand nicht einfach quer im Raum stehen lassen kann, sondern ihn sofort wieder reflexiv in selbigen zurückholen muss, obwohl er vermeintlich gar nicht hineingehört. Oder einfacher: Trash ist...
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Georges Simenon zwischen Schund und Weltliteratur.
Von Daniel Kampa

Illustration von Corinne Mock.

Anlässlich seines hundertsten Geburtstags veröffentlichte das Kulturmagazin «Du» im März 2003 ein Themenheft über Georges Simenon. Der erste Satz lautete: «Es lebe der Schund!» Natürlich meinte der damalige Herausgeber und Autor des Vorworts, Christian Seiler, das ironisch, und doch: «Es war einmal, und es ist nicht allzu lange her, dass Georges Simenon ein Schundschriftsteller war», so Seiler. Und «unter Schundverdacht standen...
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Trash, Schrott und Schund in der Schweiz. Eine Spurensuche.
Von Stephan Bader

Heftchen, photographiert von Laura Clavadetscher.

Es beginnt natürlich in der Bahnhofsbuchhandlung. Aber Dr. Norden, Perry Rhodan, Julia und Co. muss man heute selbst im Zürcher HB lange suchen. Da, hinter LandKind, LiebesLand, LandZauber, LandIdee und Regalen voller Reiseführer, Ratgeber und Rätsel, also wirklich ganz, ganz hinten, steht ein wackliger Drehständer. Ist der Heftroman schon tot?
«Ja, damit fängt heute niemand mehr an. Die Leser sterben weg, die Sammlerpreise sind im Keller.» Hans...
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Ein Intro
Von Susann Klossek
Wer den Trash nicht zu schätzen weiss, ist die anspruchsvolle Literatur nicht wert. Wer hat das gesagt? Ich. Trash hat ebenso eine Daseinsberechtigung wie jede andere Art von Literatur, ob sie sich nun Erotica oder Pulp nennt, Pop oder Beat – oder ihr hochkulturelle Weihen zuteilwerden, woraufhin sie dann unter «Kunst» firmiert – eben weil es jemand als solche bezeichnet hat. Die eindeutige Trennung von Unterhaltungs- und anspruchsvoller Literatur ist ein vor allem... » Mehr
Erzählung
Von Pablo Haller

Illustration von Corinne Mock.

«Und am Abend träumen sie von Santo Domingo, von Santo Domingo und weissen Orchideen...» – Wanda Jackson
Die LeicheSosúa, Ostersonntag
«Una muerta, una muerta!»
Eben noch schwankte Hungerbühler wie ein Kahn, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringen konnte, durch das morgenfrische Sosúa. Vorbei an der Tokyo Sushi Bar (sic!), dem Check Point, dem Thrift Store. Dem Dreck halt, den man hier für die Touris hingepflastert hat. Vorbei an...
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Mein Schundroman und ich #3
Von Gion Mathias Cavelty
Wer glaubt, Literatur in hochstehende Kunst einerseits und minderwertigen Schrott anderseits unterteilen zu müssen, hat schon mal ein gewaltiges Problem. Wobei, ganz unter uns: Auch bei mir stehen Bücher herum, die zu besitzen zuzugeben ich mich fast nicht überwinden kann. Sie stehen denn auch nicht neben meinen «normalen» Büchern im Gestell, sondern fristen ihr Dasein in einer Bananenschachtel im Keller.
Ich gehe wahnsinnig gerne in den... » Mehr
Ausgezeichnet x 7: Auch in diesem Jahr zeichnet das Bundesamt für Kultur das Schaffen schweizerischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus. In unserem Online-Spezial stellen wir die Preisträgerinnen und Preisträger vor – u.a. in Form exklusiver Texte aus ihrer Werkstatt.
Von Redaktion
Sieben ausgezeichnete Autorinnen und Autoren, sieben exklusive Texte: Im Februar und im März schalten wir nach und nach alle Specials zu den Preisträgerinnen und Preisträgern 2018 frei. In Ausgabe #32 (März 2018) des Literarischen Monats erscheint ausserdem ein Printschwerpunkt zu den Schweizer Literaturpreisen, in welchem die Ausgezeichneten in Wort und Bild vorgestellt werden. 

Online-Spezial: Fabiano AlborghettiText: Sabbiadoro (eine Reflexion in fünfzehn...
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Luthar Ginsbergs schriftstellerische Lesungen
Von Michael Fehr

Michael Fehr, photographiert von Ladina Bischof.

Luthar Ginsberg veranstaltet schriftstellerische Lesungen in seinem Landhaus für die er sich nicht interessiert und die ihn langweilen
 Da aber im Leben Luthar Ginsbergs und im amerikanischen Süden eigentlich immer Sommer ist und das Landhaus über eine grosszügige Veranda verfügt kann Luthar Ginsberg getrost die gesamte Veranstaltung auf der Veranda verbringen mitsamt allen eingeladenen Gästen denen er Getränke anbietet die er mit Bourbon viel Eis viel...
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… et omnia vanitas. Ein Essay.
Von Dumenic Andry

Dumenic Andry, photographiert von Ladina Bischof.

> Versiun rumauntscha
Auf diesen Zeilen möchte ich mich mit dem Gedicht «vanitas» auseinandersetzen, das in meinem Gedichtband «Sablun»1 veröffentlicht ist. Es geht mir nicht darum, wie das Gedicht gebaut ist, das ist nicht mein Geschäft. Nur darum, wie es entstanden ist. Ich möchte versuchen, den Schritten seines Entstehens nachzugehen. Kehren wir also an den Anfang zurück! Dort finden wir ein schwarzweisses Pressefoto von suggestiver Kraft,...
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Erschütterungen (Séismes)
Von Jérôme Meizoz

Jérôme Meizoz, photographiert von Ladina Bischof.

1
Als Mutter sich unter den Zug warf, musste wohl oder übel eine Putzfrau gefunden werden. Vater war der Arbeit wegen vom frühen Morgen an unterwegs, ich hörte ihn lange den Tabak vom Vortag aushusten, ungestüm die Kleider anziehen, rasch Brot und Käse hinunterschlingen. Dann rief er den Namen eines Kindes, den meinen, durch das Treppenhaus, ich solle die Schule ja nicht versäumen. Der Zuruf war trotz des zärtlichen Diminutivs so schroff und unbestreitbar,...
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Die Wirkung der Botenstoffe
Von Friederike Kretzen

Friederike Kreuzen, photographiert von Ladina Bischof.

«Lies meine Worte erst, sobald ich weg bin», schrieb ich einst vor einer langen Reise einem Geliebten auf eine Postkarte. Kaum hatte ich sie bei der Abreise in den Briefkasten geworfen, wusste ich nicht mehr, ob ich nicht geschrieben hatte: «Lies sie erst, wenn ich wieder da bin.»
Zwischen dem Weggehen und dem Wiederkommen war dann für die lange Zeit meiner Reise eine Postkarte unterwegs, deren Botschaft sich, kaum war sie abgeschickt, gewendet hatte. Vom Abschied...
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auspacken, ankommen, schreiben
Von Yael Inokai

Yael Inokai, photographiert von Ladina Bischof.

 
Als ich letztens einem Bekannten vom Irrsinn des Berliner Immobilienmarktes berichtete, fiel es ihm sichtlich schwer, Verständnis für meine Lage aufzubringen. «Warum suchst du überhaupt eine Wohnung?», fragte er, «du bist doch Autorin. Alles, was du zum Arbeiten brauchst, sind Stift und Papier. An deiner Stelle würde ich mein Zeug verscherbeln und nur noch reisen!»
Er erzählte von seinen Tagen im Büro, der Gleichförmigkeit, der...
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Sabbiadoro (eine Reflexion in fünfzehn Zitaten, einem Kommentar und einem Refrain)
Von Fabiano Alborghetti

Fabiano Alborghetti, photographiert von Ladina Bischof.

Wo:
Ich werde oft gefragt: Wohin fährt ein Dichter in die Ferien? Manche vermuten mich auf gedankenreichen Spaziergängen durch die Berge, quasi ein neuer Max Frisch, der das Onsernonetal durchstreift. Andere stellen sich vor, ich würde abgelegene Dörfer entdecken und meinen Blick auf dem leopardianischen Jenseits hinter den Bergen ruhen lassen (Leopardi selbst begnügte sich allerdings mit einer Gartenhecke). Die Wahrheit sieht ganz anders aus und ist vielleicht...
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r s t
Von Baptiste Gaillard

Baptiste Gaillard, photographiert von Ladina Bischof.

 
In Auflösung begriffen, Platz machend für andere, die anderen Gesetzen, anderen Notwendigkeiten gehorchen. Zerfallene Formen ersetzen klare Konstruktionen.
 
***

Die Ruhe der Säle, in denen sich Staubarabesken in die Projektion mischen, in denen die Vorführung zum Spektakel der Spiralen wird, die im Lichtstrahl wirbeln.
 
Er selbst, umhüllt, ist dadurch verfremdet: nicht mehr einheitlich, zeigt er sich in unzählige Varianten zerlegt, wie...
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Zwei Matrosen stärken sich für den Walfang.
Von Hildegard Elisabeth Keller, Christof Burkard
Wir laden Sie ein ins «Try Pots». Das «Try Pots» ist der «fishiest of all fishy places». Von morgens bis abends kocht dickflüssiger Chowder in den Töpfen: «Chowder for breakfast, and chowder for dinner, and chowder for supper», bis man glaubt, die Fischgräten kämen schon durch die Kleidung heraus. Obwohl hier sogar die Milch nach Fisch schmeckt und das Wirtshausschild an einen Galgen erinnert, gilt es als eines der besten Hotels...
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Kind schaukeln. Schreiben.
Von Laura Vogt

zvg.

Sie grinste. Eine Mitarbeiterin habe das so gesagt. Ich rückte mich auf dem Sofa zurecht, das seltsame Klischeebild der «ausgeleierten Vagina» vor meinem inneren Auge.
«Hat sie Kinder?», fragte ich.
«Ich glaube schon», antwortete meine Freundin.
In der Zwischenzeit habe ich selbst ein Kind zur Welt gebracht – und schnell nach der Geburt wieder Lust auf Sex empfunden. Nix mit Gurke im Flur. Ich gab mich Leidenschaftlicherem hin, zum Beispiel den...
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Schlussfrage / XVII
Von Daniel Mezger
Es wird ja viel Betrieb um Literatur gemacht. Man schreibt gerne über sie, man macht Fernsehsendungen, dieses Heft hier gibt es – und dann gibt es die Schriftsteller. Die haben damit reichlich wenig zu tun. Man sieht es daran, dass sie von allen in der «Firma» am schlechtesten bezahlt sind. Sie sind die Kakaobauern, der Betrieb verkauft die Schokolade.
Darum weiss ich fast nichts über den Betrieb zu sagen. Manchmal sehe ich ihn von fern, manchmal lese ich an... » Mehr
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