Schweizer Monat
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Oder: Wie mir einer meiner Berufe passierte.
Von Julia Weber

Julia Weber, zvg.

Von der Möglichkeit des Schreibens dachte ich immer schon: das ist die Kunst, die ich liebe und machen will. Ich will Kunst machen, weil sie sinnlos ist, weil sie ein Gegenentwurf zu den funktionalen und logischen gesellschaftlichen Strukturen ist, weil sie frei ist. Ich liebe den leisen Wahnsinn, habe ich gedacht, und dass das Schreiben aus 26 Buchstaben besteht. Das ist nicht viel, da sind klare Grenzen, das beruhigte mich. Da ist keine Möglichkeit von Material, es hat nichts mit...
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Von Ariane von Graffenried
Alles hat gut angefangen, das Sprachgarn aufgespannt in Reih und Glied. Dann ein gut gewobener erster Satz. Einer, der sitzt, ein Beau in messerscharfen Bügelfalten. Alle, die ihm folgen sollen, stechen gemeinsam in See: Sie wollen vom grossen Ozean der Verzettelung erzählen. Der Beau strahlt. Der Grössenwahn hält alle Fäden in der Hand.
Kann ja nichts mehr schiefgehen. An diesem Punkt walzert in schwarzem Kleid der Stalker Zweifel übers Parkett. Mit starkem... » Mehr
Auch «Fitzel» können unter die Haut gehen. Eine Collage.
Von Nora Gomringer
Der Zettel ist die wohl kleinste Blatt-Sinn-Einheit für einen Schreibenden. Vielleicht noch der «Fitzel», das «Fitzelchen», das sich dann proverbial auch auf den Verstand legt. Bist du «verzettelt», so hast du dich verfahren, wie man sich etwa im Rahmen eines Ver-fahrens oder im Rahmen eines «Anzettelns» von allerlei Dubiosem vertun, verbummeln, verschleudern, verstreuen kann. Verzettelt hast du dich, wenn alles fragmentiert, nicht im Ganzen...
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Nebenjob #1
Von Rolf Hermann
Und dann kam der Nebel. Plötzlich. Er war über den Grat gekrochen und senkte sich über mich und meinen Hund, der mir ein paar Schritte voraus war. Das Tier verschwand im kühlen Gewölk. Mir stockte kurz der Atem. Ich ging weiter, mit nach vorne gebeugtem Oberkörper, den Pfad und seine Unebenheiten streng im Blick. Jetzt bloss nicht stolpern. Von meinen täglichen Rundgängen wusste ich, dass die Flanke zu meiner Linken jäh – über eine felsige... » Mehr
Eine Kurzgeschichte.
Von Matteo Terzaghi
Herr Marziani arbeitet an einem Buch. Er spürt schon dessen Form, ahnt die Inhalte und Bezüge und erkennt den Sinn, auch wenn er manchmal den Eindruck hat, das bereits Geschriebene sei nicht mehr als ein Sammelsurium abgedroschener oder unverständlicher Sätze.
Vor Herr Marzianis Haus hat man innerhalb weniger Monate zwei siebenstöckige Wohnblöcke hochgezogen. Herr Marziani steht mit einer Tasse in der Hand am Fenster, beobachtet den Kran und das Treiben der... » Mehr
Von Lesern für Leser
Von Redaktion
Literarische RaketenglacesRomana Ganzoni: Granada Grischun. Zürich: Edition Blau, 2017.besprochen von Lukas Tonetto, Autor, Aarau.
Was sind das für Texte, die ohne aussertextuelle Bezüge im Vagen bleiben, weil ihnen innerer Halt fehlt? Was machen Texte mit der Leserschaft, bei denen man alles, was sie versprechen, im Subtext suchen muss? Texte wie «Granada Grischun» von Romana Ganzoni – eine Sammlung von Miniaturen oder Splittern, die um eine Kindheit im Engadin... » Mehr
Von der Studierstube auf den Rummelplatz: Selbst renommierte Verlagshäuser 
versenken Literatur immer häufiger zwischen Banalitäten und Hochglanzfotos. Kritik der zeitgenössischen Verlagsvorschau.
Von Gert Ueding

Mann mit Buch und Schirm, im Toten Meer treibend. 
Photo Department der «American Colony» in Jerusalem, 
heute ein Hotel, um 1900 / Library of Congress.

Wer sich über den Zustand der deutschen und internationalen Literaturkritik informieren möchte, sollte nicht in Feuilletonseiten, sondern in Verlagskatalogen blättern: in ihnen begegnet man der Quintessenz an kritischem Geist und Formulierungskunst, die man heute darin erwarten kann. «Dieses Buch nimmt es mit dem ganzen Leben auf.» Oder: «Eine tief bewegende Parabel.» Oder: «Ein Roman wie ein wunderbarer, schwindelerregender Spiralnebel.» Oder:...
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Nebenjob #4
Von Lukas Holliger
Wann wird ein Schreibender zum «Schriftsteller»? Seit ich schreibe, wage ich nicht, mir diesen Hut aufzusetzen. Was fehlt mir zum Schriftsteller? Per definitionem bin ichʼs. Aber es gibt auch «gefühlte Definitionen». Ausserdem. Wenn ich mich Schriftsteller nenne, welches Wort bliebe mir dann für Robert Musil? Schreibende, die ich gedankenlos Schriftsteller nenne, sind ausnahmslos gute Schriftsteller. Schriftsteller, die ich bewundere, studiere und wieder und... » Mehr
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