Schweizer Monat
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Kurzgeschichte von Jonas Lüscher. Mit Illustrationen von Matthias Wyler
Von Jonas Lüscher, Matthias Wyler
Naa Bolkok Kowij hatte wenig Erfahrung mit dem Tragischen. Ja im Grunde genommen war es ihm gänzlich unbekannt. Nicht etwa, dass er nicht am eigenen Leib genug erfahren hätte, was ich selbst, ohne zu zögern, als tragische Ereignisse beschreiben würde. Angefangen beim frühen Verlust seines Vaters, der, als der Winter nicht enden wollte, das Dorf verliess, um etwas Essbares für Bolkok und seine jüngeren Geschwister zu finden, und nicht zurückkehrte, so...
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Belesene Technikgläubige suchen die literarischen Gedankenexperimente der 1950er Jahre in die Wirklichkeit umzusetzen. Wie weit sind sie schon? Und welchen Ausweg liefert die Literatur?
Von Sabine Haupt

Sabine Haupt, photographiert von David Gagnebin-de Bons.

«Die Blinden sehen und die Lahmen gehen» (Mt. 11, 5) – was einst religiöses Heilsversprechen, ist heute technische Realität. Ja diese geht noch weiter: Taube hören, Armlose greifen – dank computergestützter Prothesen –, komplex vernetzte Computer sorgen für mehr Verkehrssicherheit, einen nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen oder bessere Krankheitsprävention. Schöne neue Welt also? So unproblematisch...
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Vorabveröffentlichung aus Hermann Burgers «Lokalbericht» / Schreibwettbewerb «Brief an den Autor»
Von Hermann Burger

Hermann Burger (1970). Foto: privat. Quelle: Nachlass Hermann Burger, Schweizerisches Literaturarchiv Bern (SLA).

Geneigter Leser, Sie möchten sicher einmal wissen, weshalb Ihnen die Autoren immer Neigungen unterschieben. Steckt die simple Vorstellung hinter der Floskel, dass Sie sich über ein Buch neigen? Setzt schon allein die Tatsache, dass Sie sich zum mühsamen Entziffern eines Textes bequemen, an Liebe grenzende Neigung voraus? Fasst man lesend eine Neigung zu einem Buch wie zu einem jungen Mädchen? Oder möchten Sie die Autoren gar über den Umweg des Neigens zum Verneigen...
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Ein literarischer Streifzug durch vergangene und kommende Jahrhunderte
Von Conditio extraterrestris

Team «Conditio extraterrestris» (von links): Boris Buzek, Philipp Auchter, Mateusz Cwik, Krystina Schaub, Philipp Theisohn, Julia Salome Nauer; photographiert von Michael Wiederstein.

Am 1. September des Jahres 2660 steht der Welt ein grosses Ereignis bevor: Ralph 124C 41+, einer der grössten Wissenschafter des Jahres 2660 und einer der zehn Menschen auf der Erde, denen es erlaubt ist, das «+»-Zeichen ihrem Namen anzuhängen, hat sein grosses Experiment beendet und ein Verfahren ersonnen, mit dem sich Tote wieder zum Leben erwecken lassen. Als er seinem Freund Edward über den Telephoten das Resultat seiner Forschung präsentieren will,...
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Wenn Jules Verne, Aldous Huxley und der Traum vom ewigen Leben zusammenfinden, ist der Physiker und Philosoph Marc Atallah nicht weit. Besuch im einzigen Science-Fiction-Museum der Schweiz.
Von Florian Oegerli, Gregor Szyndler, Marc Atallah

Marc Atallah. Bild: zvg.

Marc Atallah, Sie leiten das Museum «Maison d’Ailleurs – Musée de la science-fiction, de l’utopie et des voyages extraordinaires» in Yverdon – ein nicht nur schweizweit einzigartiges Museum im Zeichen von Science-Fiction und Utopie. Ein wichtiger Bestandteil des Museums ist die Jules-Verne-Bibliothek. Beginnen wir mit ihm: Wie stark hat Jules Verne das Genre Science-Fiction geprägt?  
So gut wie gar nicht.
Wie bitte? Den Franzosen gilt...
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Ausstellung und Schreibwettbewerb
Von Redaktion
Ein literarischer Paukenschlag! 27 Jahre nach dem Tod von Hermann Burger (1942–1989), erscheint aus dem Nachlass sein erster bislang unbekannter Roman «Lokalbericht» (1970). Der Protagonist Günter Frischknecht sitzt im sonnigen Tessin und schreibt gleichzeitig an einer Dissertation und an einem Roman. Dabei geraten ihm die Zettelkästen durcheinander – und plötzlich steht er vor einer folgenschweren Entscheidung.
Burger gehört zu den wichtigsten...
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Zwei Schriftsteller, zwei Generationen, zwei Weltuntergänge: François Höpflinger und Heinz Helle. Der eine schrieb seine satirische Version einer künftigen Schweiz in den 1980er Jahren («Die Stadt der Gnomen», «Reise zu den Neidgenossen»), der andere sorgte letztes Jahr mit seiner Dystopie, in der eine Gruppe von Freunden die Zivilisation in Trümmern vorfindet («Eigentlich müssten wir tanzen»), für Aufsehen. Wir setzten sie in Kontakt und fragten: Warum so düster? Ein Mailwechsel.
Von François Höpflinger, Heinz Helle
François Höpflinger: Heinz Helle, Ihr neuer Roman ist eine eindrückliche Weltuntergangsbeschreibung: es geht um ein paar Freunde, die nach einem Wanderausflug Zeugen des Endes unserer Zivilisation werden. Was war für Sie der Auslöser, diese Geschichte zu verfassen?
Heinz Helle: Der Roman hat eigentlich zwei Auslöser: den Verlust eines engen Freundes und die Angst vor dem Untergang der Europäischen Union angesichts der ersten Griechenlandkrise 2010. Beide... » Mehr
Ta-Nehisi Coates: Zwischen mir und der Welt. Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. Berlin: Hanser, 2016.
Von Miriam Hefti
Jeder Bewegung, jedem Blick wohnt ein Verdachtsmoment inne, begleitet von permanenter Angst, die tief ins Leben greift. Das ist unglaubliche Realität für Schwarze in den USA. Oder deutlich nüchterner: «All das ist normal für Schwarze», schreibt Ta-Nehisi Coates in seinem Buch «Zwischen mir und der Welt». Die unzähligen Nachrichten, die durch die medialen Kanäle rauschen, sind nur die sichtbare Spitze des Eisbergs: Der afroamerikanische... » Mehr
Von Urs Mannhart

Urs Mannhart, photographiert von Beat Schweizer.

Diese Stimmung, dieses Licht, diese Cafés und diese Gärten... es ist schwierig, Paris nicht zu mögen. Das habe ich vor ein paar Wochen noch geglaubt. Und dabei gar die Müllabfuhr gelobt, die jeden Morgen um halb sieben mit rasselndem Motor unter meinem Fenster anhält, ächzend zwei Altglascontainer hebt und deren Inhalt so in den offenen Bauch des Wagens kippt, dass nicht nur das Glas, sondern auch meine Träume zersplittern. Als ich aber neulich im Jardin de...
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Von Ruth Gantert, Vincent Gerber
Geschäftsstelle SuissID, guten Tag! Freut mich, Herr Lampin. Selbstverständlich. Wie sieht ihr Zeitplan aus? Nächsten Donnerstag, Moment, ich schaue rasch nach ... Ja, da ist noch etwas frei, 13.30 oder 15.30? 15.30, perfekt. Also normalerweise ist mit einer guten Stunde zu rechnen. Prima. Haben Sie sich schon für eine Methode entschieden? Die schmerzloseste. Ja. Verstehe. Da kann ich Ihnen Gas anbieten, absolut schmerzlos – und Sie können erst noch von einem... » Mehr
«Alcohol is like love», he said. «The first kiss is magic, the second is intimate, the third is routine. After that you take the girl’s clothes off.» – Raymond Chandler: «The Long Goodbye»
Von Stefanie Sourlier

Stefanie Sourlier, photographiert von Ayse Yavas.

Mit dem Nachtzug fahre ich ins österreichische Wels, aus nostalgischen Gründen, da die Nachtzüge ja bald ebenso der Vergangenheit angehören werden wie Kassettenrecorder oder Kaiserpanoramen. Im engen Abteil lese ich Chandlers «Der lange Abschied». Chandler ist der einzige Autor, dessen Kriminalromane man ohne weiteres fünfmal lesen kann. Schwerer ist es, dabei nüchtern zu bleiben. Philipp Marlowe ist zwar «kein Morgentrinker», das...
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Von Daniel Mezger
Nein. Kann man nicht. Anders ist das in anderen Künsten. Schauspieler beispielsweise kann jeder werden. Auf den Schulen geht es nur darum, die komplette Persönlichkeit zu entfernen, bis ein leerer Mensch bleibt. Dem kann man fortan jede Rolle überstülpen.
Oder Klavier: da braucht es bloss eine russische Lehrerin, die einem mit dem Stock so lange auf die Finger haut, bis diese von selbst die richtigen Tasten finden.
In der Malerei bringt ein Grossmeister den Kunsteleven bei,... » Mehr
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