In Luft aufgelöst

Eleonore Frey: Aus der Luft gegriffen. Graz: Droschl, 2011.

Man bemühe das Bild von Leichtigkeit, ringe ihm eine Hauptfigur ab, setze diese in Szenen, die nur durch die Assoziationen der Autorin miteinander verknüpft sind, und nenne das Produkt einen Roman. Auf diese Weise hat Eleonore Frey einen Hauch von Prosa «aus der Luft gegriffen» – und ihn gleichsam zwischen den Buchdeckeln herausgedrückt. Die Hauptfigur Helen Schnee, wie flockig!, entstammt der
Phantasie der Ich-Erzählerin, die nur eingeschränkt auf erstere wirken kann. «Mein Misserfolg macht mir klar, wie wenig ich von Helen Schnee weiss», steht da. Und: «Wie sie sich wohl entwickeln wird?»

So wandelt die weisshaarige Fiktion durch malerische Landschaften, begegnet einer weiteren potenziellen Hauptfigur, erhält ihre Berufung beim «offenen Ohr» und wird von den geheimnisvollen Beamten des «Missing Link» passgenau mit einer Identität ausgestattet. Die passive Interaktion der Ich-Erzählerin mit Helen Schnee selbst ist ein dazu parallel verlaufender Handlungsstrang. Oder nicht? Vielfach möchte sie die Handlung vorantreiben, ohne die Mühe einer Erzählung. «Um Helen Schnees Ungeduld entgegenzukommen, nehme ich an, die Reise sei im Nu vergangen.» Und dies ist nur einer der vielen winkenden Zaunpfähle, die den Leser zu jener phänomenalen Erkenntnis hinlenken sollen, die keine ist: dass er liest. Ist dies beabsichtigte Ironie?

Zugegebenermassen: als «wehmütig-heiter», wie die NZZ lobte, kann das durchgehen. Seinen Aggregatzustand ändert der Text dadurch aber nicht. Was fehlt, ist das Bekenntnis zu einer konsistenten erzählerischen Leistung. Das Gerangel der gottähnlichen Ich-Figur mit ihren Figuren – es geht um die Hauptrolle –, ein vermeintlich cleverer Kniff. Beim Umblättern der letzten Seite aber noch immer eine – Entschuldigung! – Luftnummer.

Immerhin illustriert das Buch den zeitgenössischen Streichelzoo des Wutbürgertums – knappe vier Jahrzehnte nach
Michael Endes Momo – und die Gedankenwelt jener, welche ihre Identität den Papieren überlassen und ob der eigenen Willenskraft erstaunen.