Kunst und Krempel

Roger Monnerat: Das Marienbadspiel und ein Mercedes für Marjampole. Zürich: bilger / fleurs de benbil, 2013.

Kunst und Krempel

Marienbad – da war ich schon. Freud auch, Schnitzler, Twain, Ibsen, Richard Wagner, Thomas Edison, Maxim Gorki, der kränkliche Kafka sowieso. Günter Grass begab sich dort 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, Goethes amouröse Avancen wurden abgewiesen und er verfiel in eine ganz grosse Elegie, Chopin hingegen fand vor Ort seine grosse Liebe. In seinem neusten «Bericht» mit dem Titel «Das Marienbadspiel und ein Mercedes für Marjampole» erzählt der Basler Roger Monnerat von zwei weiteren Besuchern. Dem einen wird es wie Goethe ergehen, dem anderen wie Chopin.

In einem alten Mercedes fahren Gianluca Pelli und René Dubois von Karlsruhe nach Marienbad, als betuliche Charaktere nutzen sie nur Landstrassen und beobachten und bewerten alles, was sie rechts und links vorbeiziehen sehen. Monnerat bezeichnet seine Hauptfiguren daher als «Bouvard und Pécuchet», nach den kleingeistigen Weltverbesserern aus Flauberts letztem Roman, und spart auch sonst nicht mit Anspielungen. Historische Wegmarken werden allerorts beschrieben, am Wegesrand wird Hesses «Narziss und Goldmund» von Chinesen verfilmt und Alain Resnais’ Film «Letztes Jahr in Marienbad» liefert den ersten Teil des Titels, zwei Männer, die beim Glücksspiel um eine Frau kämpfen – das «Marienbadspiel» (nähere Erläuterung und Gewinnstrategie bei Wikipedia).

Allerdings ist das Bildungsgut hier mitunter Ballast, der unsortiert in den Mercedes geworfen wird, und so wundert es nicht, dass der überladene 88er Benz mit Weissbandreifen die Spur nicht ganz halten kann. Schlingernd geht es durch drei unzusammenhängende Kriminalhandlungen, eine der drei eine wirklich alberne Undercover-Klamotte, keine von ihnen abgeschlossen. Das gibt einen schrulligen, stilistisch eleganten Reisebericht, der den interessantesten Teil des Weges aber ausblendet, da die Weiterfahrt des Mercedes’ ins litauische Marjampole – «der grösste Autobasar Osteuropas» – nicht mehr begleitet wird. Und wenn du fragst, was mit der Liebe sei: Ein Quartet d’Amour mit René und Olga und Anne und Gian sowie mit anfänglich scharfem Sex inklusive Frauentausch endet – immerhin endet es – am Ziel in Marienbad mit einem Paar, das Händchen hält, und in Karlsruhe mit René und Olga, die gute Freunde bleiben wollen.

So bleiben von der illustren Fahrt ein interessantes, wenn auch unaufgeräumtes kulturelles Feature und mindestens vier vage Ideen für mindestens vier weitere Romane. Da Monnerat mit lockerer Hand und pointiertem Humor schreibt, ist das ein freudiger Ausblick.