Ausgabe 31 - Dezember 2017

Tatsache!?

Was Geschichten aus Geschichte machen. Und umgekehrt.
Mit Beiträgen von Daniel de Roulet, Sabine Haupt, Anna Kim, Adolf Muschg, u.a.

In dieser Ausgabe

Editorial

Schwerpunkt «Geschichte und Geschichten»

In der Gegenwart gefangen
Anna Kim, photographiert von Daniel Hofer / laif.
In der Gegenwart gefangen

Trotz vieler verschlossener Archive hat die Schriftstellerin Anna Kim neue Dokumente zum Koreakrieg erschlossen. Wie schreibt es sich über die Geschichte zweier Länder bei ungesicherter Faktenlage? Und wie für ein Publikum, das kaum etwas über diese Weltregion weiss? Ein Gespräch über Quellenlagen, Erzählperspektiven und: Gut und Böse.

Im Selbstreflexionskäfig

Viele Arbeitsschritte im Alltag von Journalisten haben etwas Erbsenzählerisches: transkribieren, alle Fakten doublechecken, zig Durchgänge machen durch den Text, die nur darauf abzielen, ihn ohne Substanzverlust um 500 Zeichen zu kürzen. Wieso tut man sich das an? Der Antrieb ist nicht der Text, sondern das Geschehene. Etwas Reales. Mit Sprache kann man Reales nur vermitteln. […]

«Tell me another»

Mit den Mythen ist es so eine Sache. Sie zu entzaubern macht Spass, aber nicht unbedingt klug. Sitzt der emsige Aufklärer doch selbst dem Mythos auf, ein reines Gemüt hätte einst an diese oder jene Sage aus tiefster Seele geglaubt. Wer das meint, hat nichts begriffen. So segeln die Pfeile, die der emsige Entzauberer in […]

Tschüss

Du sitzt mit der Decke bis zur Hüfte gezogen auf dem Bett, ich an deiner Seite, meine Geschwister am Fussende. Nur Silhouetten in meinem Augenwinkel. Mein Stiefvater hält deine Hand, ihr sprecht leise. Auf dem Nachttisch neben deinem Bett ein Glas Wasser und das braune Plastikfläschchen. Fünfzehn Gramm Pentobarbital-Natrium, Bewusstlosigkeit nach dreissig Minuten, Lähmung des […]

Kolumne

Brief aus dem Tessin (dodici)

«‹Il fondo del sacco› erzählt die Geschichte des jungen, im frühen 20. Jahrhundert geborenen Tessiners Gori Valdi und seines Lebens zwischen Cavergno, einem 400-Seelen-Dorf im Maggiatal, und Amerika, wohin ihn wie so viele andere Landsleute der Traum von einer besseren Zukunft führt.» So beginnt das Vorwort von Matteo Ferrari und Mattia Pini zur jüngst erschienenen Neuausgabe […]

Brief aus der Romandie (douze)

Getrennt von meinen letzten Worten bleibt ein Nichts, gleitet meine Hand über ihre Wurzel auf Erden, adieu.» So beschloss Philippe Rahmy sein erstes Buch, «Mouvement par la fin» (Cheyne, 2005). «Ein Porträt des Schmerzes» und «Gesang des Abscheus» nannte der an der Glasknochenkrankheit leidende Autor zwei seiner poetischen Bände. Trotz körperlicher Fragilität unternahm der kleine […]

Rezensionen