In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial #19
Editorial #19

Unvergessen der Abend, an dem ich – als Teenager – erstmals den Antikriegsfilm «Die Brücke» (1959) des Schweizer Regisseurs Bernhard Wicki sah. Unvergessen auch der Morgen, an dem unser Deutschlehrer in der Oberstufe aus Remarques «Im Westen nichts Neues» (1929) vorlas. Unvergessen ohnehin die nächtliche Lektüre der ersten Seiten von Christian Krachts Welt-und-Winterkriegs-Dystopie «Ich werde […]

Ausser Spesen nichts gewesen
Michael Stauffer, photographiert von Tobias Bohm.
Ausser Spesen nichts gewesen

Zwei Monate nachdem ich eine bescheidene Spesenabrechnung eingereicht hatte, dachte ich, Nachfragen beim kantonalen Arbeitgeber könne ja nicht schaden. Auf meine Anfrage hin schrieb ein erstes Büro einem zweiten Büro, ich sei der Meinung, dass mir die Spesen noch nicht ausbezahlt worden seien. Ob man das bitte kurz überprüfen könne. Sorry für die Umstände! Das […]

Die Schweiz im Krieg

«Deutschland hat Russland den Krieg erklärt. – Nachmittag Schwimmschule.» Das lakonische Notat vom 2. August 1914 steht nicht in einem Schulgemeindeprotokoll, sondern im Tagebuch eines der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts: Mit zwei Sätzen, scheint es, handelt Franz Kafka das Weltereignis ab und taucht ins Privatleben ein. Hat die Schweizer Literatur mehr zum Krieg zu […]

Not just another Insolvenz
André Gstettenhofer, photographiert von Gunnar Gilgen.
Not just another Insolvenz

Dass «ocelot» eine Buchhandlung oder eher «not just another book-store», wie der Claim so schön heisst, in Berlin Mitte ist, hat wohl jede und jeder, der sich in den letzten zwei Jahren auch nur am Rand mit der Branche befasst hat, mitbekommen. Nun hat «not just another bookstore» Insolvenz angemeldet. Wie kam es dazu? Die […]

Abstieg in die Tiefenpsychologie
(c) privat
Abstieg in die Tiefenpsychologie

Exzentriker allesamt, Abenteurer, Profilneurotiker, verrückte Forschungsreisende und Geltungssüchtige. Schon die ersten Bergsteiger eroberten das Nutzlose nicht aus nationalistischem, sondern aus persönlichem Wahnsinn. Auch der Höchste der Gefühle, der Everest, wurde nicht, wie Hillary meinte, bestiegen, «weil es ihn gibt», sondern weil es sie gab: die Getriebenen, genauer: die Hochgetriebenen. Aber was treibt sie eigentlich? Die […]

Schwerpunkt

Ein einig Volk von Kriegern?
Diebold Schilling: Schlacht von Sempach, in: Amtliche Berner Chronik, Band 1, S. 236 / Burgerbibliothek Bern – Signatur: Mss.h.h.I.1, S. 236.
Ein einig Volk von Kriegern?

Als Wink Gottes deutete Bullinger die eidgenössischen Schlachtsiege, und Lavater besang die heldenhaften Schweizer Kämpfer in pathetischen Liedern: Seit dem Mit-telalter prägt das Reden, Schreiben und Singen vom Krieg das helvetische Selbstbild – Anklänge daran sind bis heute zu vernehmen.

Kriegsbegeisterung und Grenzkoller
Beobachtungsposten im Wald mit Feldtelefon, photographiert von Edouard Senne / Schweizerisches Bundesarchiv, CH-BAR#E27#1000/721#14093#935* / CC-BY-SA 3.0/CH
Kriegsbegeisterung und Grenzkoller

Zwischen 1914 und 1976 haben sich hiesige Autoren auf vielfältige Weise mit dem erhofften, durchlebten, stilisierten oder verdammten Krieg auseinandergesetzt. Ein Spaziergang durch Kriegstexte aus helvetischen Federn.

Phantasieren

Freundlich sind dort die Menschen. Sie haben das schöne Bedürfnis, einander zu fragen, ob sie einander unterstützen können. Sie gehen nicht gleichgültig aneinander vorbei, aber ebenso wenig belästigen sie einander. Liebevoll sind sie, aber sie sind nicht neugierig. Sie nähern sich einander, aber sie quälen einander nicht. Wer dort unglücklich ist, ist es nicht lange, […]

Gute Helden, schlechte Literatur
Charles Lewinsky, photographiert von Lukas Maeder.
Gute Helden, schlechte Literatur

Seit es Literatur gibt, gibt es Kriegsgeschichten. Am besten sind jene, die auf Einzelpersonen fokussieren – ohne sie zu Helden zu stilisieren. Sagt Charles Lewinsky, der in seinen Romanen versucht, die nicht erlebte Kriegszeit «wahr» zu erfinden. Ein Gespräch über das tragische Schreiben von glücklichen Nachgeborenen.

Reine Fakten sind eine Fiktion

In seinem Tagebuchroman «Der Innerschweizer» provoziert eine Basler Studenten-WG eine kriegerische Invasion der Sowjetunion am Rheinknie. Hier erklärt der Historiker und Schriftsteller Urs Zürcher, wie er der Denkunmöglichkeit «Krieg in der Schweiz» ein literarisches Schnippchen schlug.

Kolumne

Rezensionen