Mit Pfeil und Bogen an die Limmat

Michael Theurillat: Rütlischwur. Berlin: Ullstein, 2011.

Dieser «Rütlischwur» hat eigentlich alles: ein aktuelles Thema, einen historischen Aufhänger aus der Zeit der Verteidigung der freien Eidgenossenschaft gegen die Nazideutschen, Platz eins der Schweizer Bestsellerliste… kurz: eine perfekte Ausgangslage. Der dritte Eschenbach ist aber kein eigentlicher Krimi, wie angekündigt, sondern vor allem ein Abenteuerbuch mit viel Kameradschaft, ordentlichen Portionen Alkohol, wilden Jagden, feinen Kloppereien, jungenhafter Heimlichtuerei, fiesen Widersachern und spiessigen Spielverderbern, vor allem aber mit einem Mädchen, das springt und rempelt und grölt und bestimmt auch leidlich Fussball spielt.

Zur Hilfe eilt ihr die verschworene Gemeinschaft um «Robin Hood» Eschenbach, seinen Intimus Claudio «Will Scarlett» Jagmetti, die gute Seele Rosa Mazzoleni, den alten Grübler Ewald Lenz sowie natürlich «Bruder Tuck», der hier zwar John heisst, dennoch aber ein dicker, herzensguter Mönch ist. Diese Rächer der Enterbten, die Beschützer der Witwen und Waisen – der Vergleich trifft haargenau – retten die schöne «Lady» Judith vor ihren Verfolgern… obwohl sie, wie oben bereits vorweggenommen, den Kampf wahrscheinlich auch allein gewonnen hätte. Also bewahren Eschenbach und seine «Merry Men» nebenher noch eine strauchelnde Privatbank vor Abzockern und Erbschleichern, zeigen dem schnöseligen Max Hösli, einer Art modernem Sheriff von Nottingham, pardon: von Zürich, wie man den Stützen der Gesellschaft unbekümmert auf die Füsse tritt und die Nase in wirklich alle Angelegenheiten steckt, die über Jahrzehnte höchstgeheim und penibel in Tresoren verwahrt waren.

Nein, liebe Krimifreunde, das ist nicht zu viel verraten: Theurillat hat seinen bislang besten Roman geschrieben. «Rütlischwur» ist ein rasant-schönes, leicht pathetisches, aber nie kitschiges Abenteuerbuch über Freundschaft, Mut und Standhaftigkeit.