Brief aus dem Tessin (quindici)

Der italienische Schriftsteller Emilio Salgari sagte einmal, lesen sei wie reisen, aber ohne lästiges Gepäck. Jedes Jahr im September lädt das Festival «Babel» im Teatro Sociale von Bellinzona dazu ein, eine Sprache und ein Land zu entdecken: 2018 war Brasilien das Ziel. Unter den Gästen waren Edimilson de Almeida Pereira, Bernardo Carvalho und Beatriz Bracher, die von Prisca Agustoni erstmals ins Italienische übersetzt worden ist.

Bellinzona steht auch im Mittelpunkt eines dreisprachigen literarischen Führers: «Quattro racconti, quattro itinerari, una città. Quatre récits, quatre itinéraires, une ville. Vier Erzählungen, vier Rundgänge, eine Stadt» (Casagrande). Der von Francesco Buzzi und Sara Groisman herausgegebene Band bietet Erkundungen von Daniele Bernardi, Vanni Bianconi, Anna Ruchat und Matteo Terzaghi. Dazu kommen Architekturspaziergänge durch Bellinzona und ein Essay des Architekten Renato Magginetti. So entsteht ein vielschichtiges Profil der Tessiner Hauptstadt in Raum und Zeit – einer Stadt, die nicht nur die drei berühmten Burgen und das Bundesstrafgericht vorzuweisen hat, sondern immer auch ein Labor für moderne Tessiner Baukunst war.

Fabio Pusterla unternimmt seinerseits zwei Reisen: In «Una luce che non si spegne. Luoghi, maestri e compagni di via» (Casagrande) zeichnet er rund zwanzig für ihn bedeutsame Begegnungen nach; in «Cenere, o terra» (Marcos y Marcos) wird seine Lyrik von den vier Elementen – Erde, Wasser, Luft und Feuer – geleitet, aber «nicht gemäss
einem genau kalkulierten Konzept, sondern eher durch die im Hinterhalt lauernde Phantasie». Um drohende Auswanderung und die Härte des Berges geht es in den Erzählungen von Guido Calgari (1905–1969), die 1933 erstmals erschienen, 1968 in einer erweiterten Fassung unter dem Titel «Quando tutto va male» publiziert wurden und nun bei Dadò in einer Neuausgabe vorliegen. Sie müssen, quando tutto va male, ja nicht gleich auswandern. Verreisen Sie einfach mit einem guten Buch.