«Herr Mezger, ist es schwierig, einen Verlag zu finden?»

Schlussfrage XI

Meinen ersten langen Text, den ich damals «mein erstes Buch» nannte, wenn er auch eher «mein erstes längeres Word-Dokument, das ich selbst ausgedruckt habe», hätte heissen sollen, habe ich an alle Adressen der DACH-Region geschickt, in denen der Begriff Verlag vorkam. Damals machte man das noch per Post. Ich habe jetzt noch eine pelzige Zunge von all den abgeleckten Briefmarken und -besitze seither einen dicken Ordner mit Standardabsagen.

Jahre später sprach ich mit der Lektorin eines grossen Verlages, der Verlagscomputer erinnerte sich, dass damal was hin und her geschickt wurde, zum Glück hatte er vergessen, dass es gleich mehrfach passiert war (die zurück-gekommene Leseprobe hatte mir allzu ungelesen ausgesehen) – meine Güte, war mir das unangenehm. Der Lektorin nicht. Sie erzählte von den Stapeln an Ein-sendungen auf dem -Estrich und dass sie sich manchmal frage, ob die Decke ohne die zusätzliche Stütze halten würde. Und dass sehr wohl alle Einsendungen geprüft würden, man habe a) so was wie Ehre und b) am Wochenende sowieso keine Pläne. In ihren zehn Jahren beim Verlag seien auch durchaus -Manuskripte zu Büchern -geworden. Zwei, um genau zu sein. Genauer: zwei Rezeptsammlungen.

 

Darum hier ebenfalls zwei Rezepte für die Verlagsfindung:

1. Gewinnen Sie einen Preis. Egal welchen. Nein, Sie müssen noch nicht einmal gewinnen. Sie müssen mitspielen. Man muss gehört haben, dass es Sie gibt. Oder Sie müssen im Gespräch glaubhaft versichern können, dass es -Menschen gäbe, die Sie kennen, wenn man sie denn fragte. Sie brauchen Fürsprecher. Notfalls erfundene.

2. Mein Absageordner war dick und ich noch jung und schlank, als ich meinen ganzen Mut zusammennahm und in einer Buchhandlung, die auch ein Verlag ist (ja, die), den Besitzer ansprach und fragte, was man machen müsse, um bei ihm ein Buch (ich meinte das oben erwähnte Word-Dokument) veröffentlichen zu können. Ob das schwer sei?

Nein, sagte er, das sei eigentlich ganz leicht. Man müsse einfach ein gutes Buch schreiben.

 

Apropos, nächstes Mal: Herr Mezger, über welches Thema schreiben Sie als nächstes?