Urs Mannhart

ist Schriftsteller («Bergsteigen im Flachland», Secession 2014), Reportagejournalist und Landwirt. Wenn er nicht unterwegs ist, lebt er im Bernbiet.

Alle Artikel von
Urs Mannhart

Über die Fuorcla Zadrell
Über die Fuorcla Zadrell

Dass ihm Fahrgäste beim Einsteigen ein Glas Marmelade schenken möchten, ist der Chauffeur dieses Postautos in Klosters nicht gewohnt. Verdutzt legt er, nachdem er verstanden hat, dass wir doch auch mit Geld bezahlen wollen, die fremde Ware in jene Mulde, aus der man üblicherweise das Rückgeld klaubt, überblickt im Rückspiegel die wenigen Reisenden, legt den […]

Am Hildesheimer Galgenberg
Am Hildesheimer Galgenberg

Zwei sympathische Buchhandlungen hatten mich nach Deutschland eingeladen, und also eilte ich mittags zum nächsten Bahnhof, um pünktlich zu meiner Lesung im ruhrpottschen Essen einzutreffen. Der dortige Abend wird mir auch deswegen erinnerlich bleiben, weil es einen Zuhörer gab, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die schönsten Sätze gleich mitzuschreiben. Nach der Lesung kam […]

Les Haizettes
Les Haizettes

In La Queue-les-Yvelines, vierzig Kilometer westlich von Paris, begleitet ein milder Wind den frühen Abend. Aus einem altersschwachen Regionalzug steigen drei müde Seelen, schlendern an dem verwaisten Bahnhof vorbei zum Parkplatz und setzen sich, kaum ziehen die graffitibemalten Waggons davon, in ihre tadellosen Renaults. Am Saum des Platzes steht eine telefonlose Telefonkabine, die als subtile […]

Fôret de Fontainebleau
Urs Mannhart, photographiert von Beat Schweizer.
Fôret de Fontainebleau

Diese Stimmung, dieses Licht, diese Cafés und diese Gärten… es ist schwierig, Paris nicht zu mögen. Das habe ich vor ein paar Wochen noch geglaubt. Und dabei gar die Müllabfuhr gelobt, die jeden Morgen um halb sieben mit rasselndem Motor unter meinem Fenster anhält, ächzend zwei Altglascontainer hebt und deren Inhalt so in den offenen […]

Unter dem Pont Sully

Das Blatt dieser kleinen, im Jardin des Plantes stehenden Zypresse, das ich während meines Spaziergangs zerkaue, schmeckt aromatisch, vollmundig hölzern. Es lässt sich gut nachvollziehen, weswegen Winzer einst ihren Wein damit würzten. Eine kurze Weile stehe ich alleine an der Fussgängerampel, dann holt er mich ein. Steht neben mir, richtet wie ich den Blick in […]

Zur Dorfbäckerei
Urs Mannhart, photographiert von Beat Schweizer.
Zur Dorfbäckerei

Über die baldige Verfertigung dieser Kolumne nachdenkend fuhr ich jüngst auf dem Rad durch mein mittelländisches Temporärdorf zur letzten in diesem rührenden Kaff noch ungeschlossenen Bäckerei, wobei ich auf halbem Weg abgelenkt wurde durch jene Baustellenampel, die mich seit Monaten emotional umtreibt, denn schwierig ist es, sich an dieser Ampel wie ein rücksichtsvoller, demokratisch denkender […]

Col du Marchairuz
photographiert von Beat Schweizer
Col du Marchairuz

Wenig fördert den Appetit zuverlässiger als das frühstückslose Wandern. Das zeigt sich auch an jenem Vormittag, als wir, nach einer Nacht im Zelt, vom Mont Tendre zum Col du Marchairuz unterwegs sind. Spätvormittags endlich vor einem Gasthaus stehend, zwei schwere Rucksäcke auf dem Rücken, zwei trockene Münder im Gesicht, ist rasch klar, dass allein eine […]

Monti di Lego
photographiert von Beat Schweizer
Monti di Lego

In Mergoscia, einem unscheinbaren, einst von Kastanien und Katholizismen, heute von -Schafen, Ziegen und von jenseits des Gotthards anreisenden Gästen über Wasser gehaltenen Dorf am Eingang zum Valle Verzasca, studieren meine Gefährtin und ich die Landkarte derart -innig, dass es triftige Gründe gäbe, das Wandern bereits als erledigt zu betrachten. Schliesslich -einigen wir uns auf […]

Am Küchentisch der europäischen WG
Urs Mannhart, photographiert von Claudia Mäder.
Am Küchentisch der europäischen WG

Er wagt sich immer wieder aus der gemütlichen helvetischen Stube heraus – um etwa in Sibirien mit widerborstigen Katern zu hausen: Urs Mannhart ist mit Freud und Leid des Reporterlebens bestens vertraut. Und seit kurzem auch mit dem schmalen Grat zwischen literarischer Fiktion und urheberrechtlicher Realität.

Hommage oder Plagiat?

Im beschaulichen Leukerbad, wo wir Urs Mannhart ­Anfang Juli trafen, war die Welt noch in Ordnung und das Ambiente einzig vom gewaltigen Lärm gestört, den eine Baustelle verursachte. Als wir Urs mit Blick auf unseren Schwerpunkt zur literarischen Reportage zwischen Käseschnitten und Racletteomeletten nach seinen Recherche- und Handwerkstechniken befragten, kam er schon nach wenigen Sätzen […]