Brief aus der Romandie #1

Im Roman herrscht Dürre – doch nun prasselt der Preissegen auf Roland Buti und sein Buch «Au milieu de l’horizon» (Zoé). Nach dem Schweizer Literaturpreis 2014 erhielt er 2015 auch noch den «Roman des Romands». Das Buch ist der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich in der schönen Übersetzung von Marlies Russ (Nagel & Kimche). Der Preis «Roman […]

Im Roman herrscht Dürre – doch nun prasselt der Preissegen auf Roland Buti und sein Buch «Au milieu de l’horizon» (Zoé). Nach dem Schweizer Literaturpreis 2014 erhielt er 2015 auch noch den «Roman des Romands». Das Buch ist der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich in der schönen Übersetzung von Marlies Russ (Nagel & Kimche).

Der Preis «Roman des Romands» selbst wiederum wurde vom Bundesamt für Kultur mit dem Grossen Vermittlerpreis ausgezeichnet. Hiermit wird eine Initiative gewürdigt, die Jugendliche zum Lesen und Debattieren animiert: Schulklassen befassen sich mit den von einer Jury ausgewählten Werken, laden Autoren zu Lesungen und Gesprächen ein – und schicken dann Delegierte an die Schlussveranstaltung, um ein Buch zum Preisträger zu krönen. Seit kurzem sind auch Deutschschweizer Schülerinnen und Schüler an der Auswahl beteiligt.

Für die Broschüre des Preises, die 35 Autoren der Romandie zu ihrer Jugendzeit befragt, schrieb Anne Cuneo «Lesen war ein Kampf». Sie erzählt, wie sie sich als Kind in Italien und als junges Mädchen in Lausanne das Recht aufs Lesen erstritt. Später lebte sie u.a. in London, Zürich und Genf – bewundert für ihre Mehrsprachigkeit ebenso wie für ihr unermüdliches Engagement als Journalistin, Regisseurin und meistgelesene Autorin der Westschweiz. Auch schreibend kämpfte sie: für Benachteiligte, gegen Ausbeutung und Rassismus – und gegen den Krebs. Am 11.2.2015 ist Anne Cuneo achtzigjährig in Lausanne gestorben.

Ein Grand Monsieur und eine Grande Dame der Westschweizer Literatur bleiben in der Deutschschweiz weiterhin zu entdecken: der jurassische Dichter Alexandre Voisard (er erhält an den diesjährigen Solothurner Literaturtagen den Prix Renfer) und Catherine Safonoff, deren wunderbare Autofiktion «Le mineur et le canari» (Zoé) in der Übersetzung von Claudia Steinitz im Rotpunktverlag erscheint. «Der Bergmann und der Kanarienvogel» erzählt von einer Psychotherapie im Alter – klarsichtig, mutig und humorvoll.