Dylan Dillon: «Herzklopfen»

Dylan Dillon:
«Herzklopfen»

 

Girl, das eigentlich Boy ist, meets Koch, der sich als Adliger entpuppt. Die Liebe stellt sich rassig-unverkrampft ein, und selbst als dem Giftattentat auf die obligate Beziehungsbremse (Eltern) stattdessen der Schosshund zum Opfer fällt, reagiert der genderdysphorische Spross feinfühlig: «Ganz dumpf hofft er nur irgendwo, dass seine Eltern mit dem Hund so unaufmerksam liebevoll waren wie mit ihrem Sohn. Vielleicht würden sie auch hier mit der einfachsten Erklärung vorliebnehmen, Köter, Kind und Koch weiter in Frieden ruhen und reuen zu lassen.» Wir befinden uns am Höhepunkt der Krise: um die Beziehung zu retten, muss sich der Koch, mittlerweile reich, beim Girl, mittlerweile Marc, für den Mordversuch entschuldigen. Werden die zwei wieder zueinanderfinden?

Dem echten Schundliebhaber ist das Werk nicht zu empfehlen. Zwar sind die einzelnen Handlungselemente ordnungsgemäss aneinandergeklemmt, zwischendurch bäumen sich jedoch immer wieder eine humoristische Ambivalenz und eine sprachliche Gestaltungsfreude auf, die die Limbostange der Literarizität bedenklich wackeln lassen. Notdürftig getarnte Anspielungen auf die zwei berühmtesten aller «star-crossed lovers» machen den Text leider auch nicht schlechter.

Was sich der Autor gedacht hat? Zu viel! So wie sein Protagonist Leonard die Fenster seiner Spelunke um der Atmosphäre willen nicht putzt und stolz ist auf den Ruf als «dunkelstes Loch des Dorfes», scheint Dillon selbst aus einem ironischen Vergnügen an der Zwielichtigkeit seiner Story zu agieren. Diese genrewidrige Metamentalität gehört gehörig getadelt. Was man dem Autor allerdings zugute halten muss: während die Binarität der Geschlechter ihren Relevanzanspruch bezüglich Partnerwahl nahezu widerstandslos fahren lässt, klammert sich diejenige von Arm und Reich umso hartnäckiger an den Handlungsbogen. Dillons aufklärerische Verve prügelt erfolgreich alle zarte Romantik zu Boden, und auch  die etwas weniger zarte Erotik übersteht seine Selbstsabotage qua Überambition nur stellenweise unbeschadet.

Dylan Dillon: Herzklopfen. Aus der Reihe «Pulp Fiction – eine Hommagean den Schund». Biel: die brotsuppe, 2017.