Daniel Mezger, zvg.

«Herr Mezger,
was lernt man eigentlich
in diesem Biel?»

Seit es dieses Biel gibt, gibt es diesen Gegenwind: Kritik von allen möglichen Seiten, man zeigt sich höchst skeptisch, lässt mal im «Literaturclub» eine Spitze fallen, ein Student, der sich kritisch zu diesem Biel äussert, klar, wird sofort veröffentlicht, es wird kundgetan, man halte eher nichts von solchen «Schreibschulen», und ärgert sich, dass so heutzutage also Schriftsteller herangezüchtet werden, die man ansonsten nicht hätte lesen müssen.
Nun bin ich bei diesem Thema natürlich voreingenommen. Ich habe ja selbst in diesem Biel studiert, unterrichte dort gar ab und an. Darum möchte ich an dieser Stelle jemand anders zu Wort kommen lassen, der ein ähnliches Institut besucht hat:

Herr Richter, Sie haben ja auch so eine Malschule besucht und…
Sie meinen jetzt die Kunstakademie?
Ja, können Sie unseren Leserinnen und Lesern sagen: Wie lernt man dort malen?
Man hätte mich wohl nicht aufgenommen, wenn ich es nicht bereits gekonnt hätte, darum…
Aber man lernt ja schon das Handwerk, also wie man es richtig macht.
Äh. Also. Nein.
Nach welcher Methode wurde dort gemalt?
Können Sie mir nochmals sagen: Wie heisst dieses Magazin, für das Sie schreiben?
Sehen Sie nicht die Gefahr von Institutsmalerei? Und dass man dort bloss seinen Mentor kopiert, statt auf seine eigene innere Kreativität zu hören? Van Gogh zum Beispiel, der hat ja auch absichtlich keine Malschule besucht, sondern sich ein Ohr abgeschnitten und…
Können Sie aufhören, Malschule zu sagen, sonst lege ich auf.
Der Markt wird ja förmlich überschwemmt von Künstlerinnen und Künstlern, die man an solchen Instituten herangezüchtet hat. Immer mehr vom immer selben. Ist da überhaupt noch Platz für solche, die diesen Weg autonom gehen möchten? Und sind diese Institute wirklich für Studierende oder sind sie nicht eher eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme für Künstler, die es nicht geschafft haben? Sie selbst haben ja auch unterrichtet?

Kann man das denn überhaupt lernen: Malen?

Herr Richter? Herr Richter, sind Sie noch dran?
Äh ja, vielleicht sollte man mal besser ein ganzes Heft zu dieser Frage machen.

Philipp Theisohn, fotografiert von Ayse Yavas.
«Der Seismograf der
literarischen Schweiz.»
Philipp Theisohn, Literaturwissenschafter,
über den «Literarischen Monat»