Rolf Hermann: «Eine Kuh namens Manhattan»

Rolf Hermann: «Eine Kuh namens Manhattan»

«Das isch ds Läbu»: Absurditäten des Alltags auf Walliserdeutsch.

Rolf Hermann schreibt über das Leben. Dar­über, wie das Leben halt so ist, denn «ds läbu isch halt äsoo, das isch där punkt».

Er schreibt über die Absurditäten des Alltags, in Kurzgeschichten und Gedichten, auf Walliserdeutsch. Über die Fragen, die wir uns täglich stellen: «Miässä wär schoo üffschtaa?» Und über die Antworten, die wir gerne hören würden: «Ach, värgässä wär doch, dass Mentag isch.»

Über die Vorsätze, die wir fassen, um sie dann vorsätzlich wieder fallenzulassen. Mehr Sport zu treiben. Am besten mehrmals die Woche, im Fitness und mit Iutiub-Tutoriels. Bis wir realisieren, dass die Schwerkraft doch die Stärkere ist und uns aus der weichen Tiefe des warmen Sofas nicht mehr fliehen lässt. Tant pis, «ds läbu isch halt äsoo».

Rolf Hermann erzählt von der Zeit, die vergeht; vom November, der schon wieder ist, und davon, wie man plötzlich vierundvierzig ist. Von den Erinnerungen, in denen man schwelgt. Daran zum Beispiel, wie man am Gymnasiumsfest eng umschlungen mit der Nonne Hildegard tanzte. Man tanzte zu den «Bravo»-Kuschilrokkhits, doch geholfen hat das nicht, denn die drei Haare uff där Bruscht waren einfach nicht genug. Mit ein paar mehr, «dä chännti us iisch no äppis wärdu», hatte Hildegard gesagt. Wo waren sie damals, die Haare, der November und die Vierundvierzig? Immerhin ist man heute alt. Und weise. Und stellt sich die richtigen Fragen: über das Leben, das Leben als Leguan, das Leben als abgelaufene Tomatensauce, über die Wiedergeburt als Teppich. Und man denkt auch über das Richtige nach: über den Kopiärzimmärschlaaf, den Telefoschlaaf und den Telefobiantwoortärschlaaf, über die Kuh Manhattan, über das Schaf Sarah Jessica und die Bätschälärteesu «Ds Rind als Schtallmeischtär va schiinum Sälbscht».

Die Erzählungen von Rolf Hermann wurden fürs Vortragen geschrieben; es lohnt sich also, sie laut vorzulesen. Und horcht man dabei seinem eigenen Walliserdeutsch, erscheint das Leben gleich viel weniger absurd.


Rolf Hermann: Eine Kuh namens Manhattan. Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2019.

Philipp Theisohn, fotografiert von Ayse Yavas.
«Der Seismograf der
literarischen Schweiz.»
Philipp Theisohn, Literaturwissenschafter,
über den «Literarischen Monat»