16 lange Jahre bis «Black Island»

Thomas Ott, Markus Rottmann: Black Island. Zürich: Hammer-Verlag, 2013.

16 lange Jahre bis «Black Island»

«Black Island» von Markus Rottmann und Thomas Ott ist eine brutale Enttäuschung. Nicht weil Otts Tiki-Zeichnungen schlecht wären – sie sind grossartig. Und erst recht nicht, weil Markus Rottmanns zwei Texte darin stümperhaft geschrieben wären – sie sind brillant. «Black Island», das die beiden mehr oder weniger im Eigenverlag herausgegeben haben, ist eine Enttäuschung, weil ich nun sechzehn Jahre lang auf Markus, meinen ersten Mentor und langjährigen Texter-kollegen, eingeredet habe, er solle endlich der furchtbaren Werbung den Rücken kehren und Bücher schreiben. Und wenn er es dann endlich tut, liefert er gerade mal sechzehn Seiten. 16! Exakt eine pro Jahr, für das ich gewartet habe.

Markus beschreibt in dem Buch eine Insel, von der niemand weiss, wo sie ist und ob sie existiert (gleiches gilt für seine Romane), die gerade deswegen eine teuflische Faszination weckt (wie seine unveröffentlichten Bücher) und die zerklüftet ist von menschlichen Abgründen (wie beispielsweise ein Autorendebüt unter dem Begriff «Geleitwort»). Die Qualität der Texte liesse einen fast sagen, das Warten habe sich gelohnt, und für all jene, die noch nie von Markus gehört oder zumindest nicht sechzehn Jahre lang auf ihn eingeredet haben, mag das so zutreffen. Markus pflegt eine Sprache wie ein Vater, der seinen kleinen Sohn hochhebt und ihm die Welt erklärt; gütig, eindrucksvoll, aufregend und voller Magie. Es ist eine Sprache, die hervorragend zu einer sagenumwobenen Insel passt, denn sie wirkt selbst als eine umwebende Sage, doch sie würde auch zu so manch anderem Thema gut passen, mit dem man sich die Abende versüssen könnte.

Könnte, würde Markus Rottmann sich endlich hinsetzen und einen vollständigen Text schreiben. Wird das nun wieder 16 Jahre dauern? Und dann 32 Seiten hervorbringen? Oder darf man sich dem Tiki der verzweifelten Hoffnung hingeben und sich wünschen, man habe hier das erste Qualmwölklein eines demnächst wütenden Vulkans miterlebt, der alles mit seiner Lava fluten wird?

Ich zitiere zwei Sätze aus «Black Island», die mein ganzes Sehnen und Bangen ausdrücken: «Noch sind sie allerdings nirgends aufgetaucht» und «Es sollten fast zwei Jahrhunderte vergehen». Möge es anders kommen.