Böse Onkels

Emil Zopfi: Spitzeltango. Zürich: Limmat, 2013.

Böse Onkels

Und wieder einer. Im Zentrum von Zürich wird gern das nasse Grab gesucht und die Limmat ergiesst sich gleichgültig über Randständige und Lokalpolitiker. Die neuste Leiche hat nicht Michael Theurillat hineingeschubst, Emil Zopfi war’s. Nachdem die Täterfrage also schon jetzt geklärt ist – männlich, siebzig Jahre alt, wohnhaft in Zürich, Autor zahlreicher Bücher für Bergfreunde, Kinder und Erwachsene, nun seines aktuellen Kriminalromans «Spitzeltango» –, kommen wir zum Opfer: der Szeneanwalt Martin ist’s. Und sein Tod wird schon bald zum Vehikel einer ganz anderen Geschichte. Drei Biedermänner werden darin zu Brandstiftern und wirbeln die nationalistische Zürcher Politikergilde durcheinander. Kein Wunder, dass Max Frisch kurz um die Ecke linst, denn der wehmütige Germanistikprofessor Robert, der wehleidige Dokumentarfilmer Hermann und der wehrhafte Tramführer Pippo sind gesetzte Alt-Achtundsechziger, die nicht so recht an ein natürliches Ableben ihres alten Kumpels Martin glauben wollen. In ihren greisen Herzen glimmt noch eine leise Glut, der Mord in der Limmat entfacht zumindest bei Pistolero-Pippo das alte Feuer – und siehe da, er kann die beiden anderen Trockenpflaumen mitreissen. Völker, hört die Signale: Die ehemaligen Bombenleger sind wieder da! Auf zum letzten Gefecht: ihre Attacke kommt aus dem Nichts – und mit der Strassenbahn.

Diese schmale Geschichte um drei alternde Politaktivisten und ihre ehemaligen Freunde (und jetzigen Widersacher?) entwickelt sich bald zu einer humorigen, schrulligen Farce, die ihre besten Momente in der augenzwinkernd-liebenswerten Beschreibung der Protagonisten hat. Doch der studierte Elektrotechniker Zopfi ist damit noch nicht zufrieden: er lötet überflüssige Nebenstränge – siehe «Spitzel» und «Tango» – an die sonst flott zu lesende Handlung. Kurz fährt er dann die Spannung hoch, wenn pummelige Skinheads in Biker-Kutten wüten, bald aber dimmt er sie ausgerechnet herunter, wenn es richtig knistert, und lässt den unter Mordverdacht stehenden, flüchtigen Robert aus der Welt und dem Romangeschehen in ein esoterisches Knusperhäuschen im Wald stolpern, wo Yasmin – «Vogel unter den Vögeln des Waldes» – einen Pfefferminztee kocht. Gegen Ende kommt es zu einer ganzen Reihe solch dramaturgischer Fehlschaltungen, bis ein totaler Blackout das nostalgische Flackern beendet. Routinier Zopfi und seine drei gerechten Krawallmacher, so viel sei verraten, treten also auch diesmal keine (Krimi-)Revolution los. Ihr betuliches «Revolutiönchen» mit Lokalkolorit dürfte Genrefreunde aber trotzdem zum Schmunzeln bringen.