A découvrir!

Die besten Schweizer Autoren, die in der Deutschschweiz niemand kennt.
13 persönliche Empfehlungen.


Werner Renfer

Die Städte an den Westschweizer Seen haben Journalisten produziert – und ein paar Romanciers. Die Westschweizer Alpen: Hoteliers, ein paar Chronisten und ein paar Dichter. Aber der Jura hat in Werner Renfer einen Chronisten, einen Romancier und einen grossen Poeten in Personalunion geschaffen. Lesen Sie ihn!

Daniel de Roulet, Schriftsteller

Lesetipp: «Frühzeitiger Herbst – Automne précoce». Gedichte. Deutsch von Christoph Ferber. Zürich: Limmat, 2012.


Fleur Jaeggy

Lesetipp: «Die seligen Jahre der Züchtigung». Aus dem Italienischen von Barbara Schaden. ­Berlin: Berlin Verlag, 1996.

Empfohlen von Philipp Theisohn, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Uni Zürich.


Bruno Pellegrino

Ein sprachmächtiger junger Autor (Jahrgang 1988), der einen ganz eigenen Blick auf die Welt wirft. Bruno Pellegrino findet da Worte, wo sie seinen Figuren längst ausgegangen sind, und hat ein Gespür für die Poesie der unscheinbaren Momente. Die Herausforderung, diese Poesie ins Deutsche zu übertragen, hat mich sofort gereizt. Im Herbst 2020 soll beim verlag die brotsuppe endlich eine deutsche Übersetzung von «Là-bas, août est un mois d’automne» erscheinen, in dem Pellegrino das einsam-freie Leben des Dichters Gustave Roud und seiner Schwester Madeleine auf einem Bauernhof im Jura imaginiert. In der Westschweiz vielfach ausgezeichnet, fand der extrem dichte Romanzweitling zunächst keinen deutschschweizerischen Verlag – vor allem wegen des «welschen» Themas. Ein klarer Fall von literarischem Röstigraben!

Lydia Dimitrow, Übersetzerin

Lesetipp: «Atlas Hotel». Aus dem Französischen von Lydia Dimitrow. Zürich: Rotpunktverlag, 2016.


Céline Zufferey

Ich schätze Céline Zufferey gleichermassen für ihre Themen wie für ihren Stil. Ihre Kritik an ­einer Welt des Künstlichen und der Klischees und an der Einsamkeit der Ultramoderne wird von ätzendem Humor und einer eigenständigen Dialogkunst begleitet. Besonders Zuffereys ­erster Roman «Sauver les meubles» (Gallimard, 2017), der bereits ins Schwedische und Italienische übersetzt wurde, hätte auch die Aufmerksamkeit deutschsprachiger Verlage verdient.

Virgile Elias Gehrig, Autor


Catherine Safonoff

In «Le Mineur et le Canari» (Zoé, 2012) führt eine Tablettenabhängigkeit die alleinstehende, über siebzigjährige Ich-Erzählerin in die Praxis eines Psychoanalytikers, in den sie sich prompt verliebt. Melancholisch und (selbst)ironisch, mutig und feinsinnig.

Ruth Gantert, Übersetzerin und Literaturvermittlerin

Lesetipp: «Der Bergmann und der Kanarienvogel». Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. Zürich: Rotpunktverlag, 2015.


Leo Tuor

Die Jagd darf man nicht dem Kanton überlassen, nicht den ­schmucken Jagdaufzügen und den Hansheinis mit ihrer kapitalen ­Fixierung. Leo Tuor nimmt sich des letzten archaischen Themas der Alpen an. Seine Jäger sind belesene Anarchisten im Unterholz. Sie verachten die Regeln, aber auch jene, die ihr Metier nicht beherrschen. Die antiken Dichter im Rucksack, pirschen sie durch abschüssiges Gelände und lauern im Grunde sich selbst auf. Ein grosses Buch über den Menschen, das Töten, die Tradition, die Stille nach dem Schuss und das Getöse unter Trophäen. Wer denkt, die Jagd ­interessiert mich nicht, dem sei gesagt: bei Moby Dick geht’s auch nicht…

Philipp Theisohn, fotografiert von Ayse Yavas.
«Der Seismograf der
literarischen Schweiz.»
Philipp Theisohn, Literaturwissenschafter,
über den «Literarischen Monat»