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Herr Mezger, darf ich Ihnen eine dumme Frage stellen?

 

So, jetzt ist aber mal Schluss mit Fragen. Seit sechs Jahren (falsch: sechs Jahre lang) beantworte(te) ich hier all die Dauerfragen, die nach Lesungen gestellt werden (wurden!).

(Lesungen, das war, wenn man zusammenkam und sich anhörte, wie Autoren vorzulesen versuchten, was sie geschrieben hatten; es war nicht immer für alle Beteiligten angenehm, vor allem wenn die Schluckgeräusche beim Aus-dem-Wasserglas-Trinken durch die Mikrofonverstärkung mal wieder zu sehr nach Angstreflex klangen und wenn beim Ganzen mal wieder jeglicher Kontext für das Vorgelesene und manchmal auch einige Konsonanten und somit einiges an Verständnis verlorenging. Schön war hingegen: Hinterher den Autor fragen, ob er vom Schreiben leben könne und ob das Buch autobiografisch sei und warum es «heute» keinen Max Frisch mehr gebe und wo man sein eigenes Manuskript hinschicken solle. Der Gefragte sagte dann, dass er dank Lesungen vom Schreiben leben könne, dass das Buch keinesfalls autobiografisch sei, bloss die Figuren, das Setting und die Handlung ein bisschen. Und dann etwas über Politik und Öffentlichkeit, wobei ersteres weiterhin in der Literatur, aber zweiteres heutzutage deutlich weniger für die Literatur stattfinde, da hätten sich die Zeiten eben geändert, das dürfe man durchaus bedauern, aber bitte nicht den Schreibenden zur Last legen und apropos Last: Viel Glück beim Loswerden Ihres Buches!)

Gerade in Zeiten, in denen auch Menschen mit klassischeren Berufsbildern erfahren, wie es sich als Schriftsteller so lebt (keine vorgegebene Tagesstruktur, keine finanzielle Sicherheit, keine ernstzunehmende Frisur), teilt man ja gerne, was man so gelernt hat über die Jahre. Und auch ohne Ausnahmesituation kann ich sagen, dass ich ausnahmslos alle Fragen immer sehr gerne aufs neue beantworte (beantwortet habe). Auch ich würde ähnliches wissen wollen von Kolleginnen und Kollegen: Wie viel vom eigenen Erlebten im Buch steckt. Wie er sich trotz Kunst ernährt. Und was sie über die Stellung der Literatur in der Gesellschaft denkt.

Und bei jedem Neubeantworten findet sich ein neuer Antwortpfad, das Gedankennetz wird immer feinverzweigter. Und so, ohne dass man es merkt, antwortet man sich über die Jahre seine eigene Poetik zusammen.

Mit anderen Worten: Sollte es irgendwann dann doch mal wieder Lesungen geben:

Fragen Sie weiter.

Bis dahin: gutes Lesen!

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