Editorial

Liebe Leser Verdächtig, dass sich die Welt im Jahr 2011 wieder vermehrt über Grenzen unterhält: vornehmlich geht es zwar um Währungs- oder Schuldengrenzen, aber auch die Landesgrenze erfreut sich neuer diskursiver Beliebtheit. Distinktion scheint das Gebot der Stunde. Nicht so in der Literatur: hier werden mannigfaltige Zu- und Einflüsse begrüsst, prägen gar das Bild.  Davon […]

Liebe Leser

Verdächtig, dass sich die Welt im Jahr 2011 wieder vermehrt über Grenzen unterhält: vornehmlich geht es zwar um Währungs- oder Schuldengrenzen, aber auch die Landesgrenze erfreut sich neuer diskursiver Beliebtheit. Distinktion scheint das Gebot der Stunde. Nicht so in der Literatur: hier werden mannigfaltige Zu- und Einflüsse begrüsst, prägen gar das Bild. 

Davon zeugt auch unsere aktuelle Ausgabe. Blättern Sie einmal! Da schreibt ein deutscher Redaktor über ein Schweizer Ausnahmetalent mit rumänischen Wurzeln. Peter Stamm, der auf E-Mails stets auch mit seinem momentanen Aufenthaltsort antwortet (Auswahl August/September: Spanien, Frankreich, Deutschland, Mexiko…), spricht im Interview über seine Lieblingsautoren, die primär Amerikaner sind. Zoë Jenny erklärt, wieso literarische Nesthocker bessere Kritiken kriegen – sie aber trotzdem lieber in London lebt und schreibt. Regina Dürig, Deutsche, die in Biel lebt, veröffentlicht diesen Monat ihren preisgekrönten Jugendroman-
Erstling – wir präsentieren einen exklusiven Vorabdruck.

Erweitert werden auch die Grenzen unserer Literaturbeilage: mit dieser Ausgabe führen wir zwei neue Rubriken ein. Ab sofort schreibt Schriftsteller Francesco Micieli – seines Zeichens Schweizer mit albanisch-italienischen Wurzeln – über seine Reiseerlebnisse mit Büchern. In «Über Berge und Gräben» präsentieren wir Ihnen von nun an zudem mit jeder Ausgabe einen Text aus der Romandie oder dem Tessin in exklusiver Übersetzung. Den Anfang macht Robert-Walser-Preisträger Marius Daniel Popescu aus Lausanne, der seine rumänischen Wurzeln in «Wolfssymphonie» thematisiert.

Ich wünsche Ihnen mit den neu 24 Seiten ein – Pardon! – grenzenloses Lesevergnügen!