«Herr Mezger, wie bringen Sie Ihre Talente unter einen Hut?»

Schlussfrage XIV

Wer, und sei es nur gelegentlich, in der Öffentlichkeit steht, kennt sie: diese eine Frage. Nicht diese, aber die eine, die immer gestellt wird. Nur ihr, nur ihm.

Während andere erzählen sollen, wie es ist als Kind eines Rockstars («Einmal hat er mir die Verlobte ausgespannt») oder wie als Frau in einer Männerdomäne («Schlechter bezahlt!») oder warum er das Pilotendasein aufgegeben habe, um Haikus zu schreiben («Atme Kerosin / Bis du leichtens entschwebest / Bald wird Frühling sein»), wird mir die Frage gestellt, ob ich mich trotz Schauspiel und Musik aufs Schreiben zu fokussieren wisse. Zumindest höre ich das heraus. Ich höre: «Kann man Sie überhaupt ernst nehmen? Sie kunsten doch einfach so ein bisschen vor sich hin!»

Sämtliche Schlussfragen kann ich längst im Schlaf beantworten, doch diese legt mich regelmässig auf die Couch. So also werde ich gesehen! Als einer, der auf allen Bühnen tanzt, weil er sich nicht entscheiden kann. Und ich stiere auf die zum Rorschachtest verschwimmende Blumentapete an den Wänden meines geistigen Therapeuten – wenn er schon ausgedacht ist, könnte er sich wenigstens bei der Einrichtung Mühe geben! – und ich gebe mir Mühe, einfach nur die Frage zu beantworten. Denke: «Ja, sie haben recht! Wer bin ich denn? Komme ich nicht tatsächlich nie zum Schreiben, weil ich denke, ich sollte endlich mal wieder ein Konzert klarmachen, das ich dann nicht klarmache, weil ich eigentlich mal wieder schreiben sollte, und Schauspieler bin ich bloss noch, weil es so in der Vita steht?»

Besser, ich rede über Hüte. Sage: Dass nichts unter einen passt, dass ich verschiedene trage. Je nach Gelegenheit.

Und ich erzähle die Anekdote, wie mein Vater mich im Backstage-Bereich vergessen hat und dass mich das zur Eigenständigkeit erzogen hat. Halte eine flammende Rede darüber, dass es keinen einzigen Männerberuf gibt – ausser Samenspender. Sage: Der Funkspruch war mir schon immer Lyrik in Reinform. «Alpha November / Bravo Whiskey Uniform / Foxtrott Zulu Two.»


Apropos, nächstes Mal: Herr Mezger, warum schreiben Sie nicht mal was Politisches?