Jöö, säg emoll, säg emoll, säg emoll!

Pedro Lenz: Liebesgschichte. Muri bei Bern: Cosmos, 2012.

Jöö, säg emoll, säg emoll, säg emoll!

Lenz’ Meitschis heissen Nicole, Barbara, Corinne, Jacqueline oder Isabelle. Und eines Tages schicken sie eine Freundschaftsanfrage auf Facebook oder sitzen selig lächelnd im Zug zwischen all den «Gratiszitiggringe» und rufen unliebsame Erinnerungen wach. Bereits mit seinem Debütroman Dr Goalie bin ig hat der Langenthaler Pedro Lenz als Erzähler überzeugt. Einen ähnlichen Alltagsfatalismus, wie er auch dem «Goalie» zu eigen war, legt Lenz in den rund zwei Dutzend Spoken-Word-Texten an den Tag, die nun unter dem Titel Liebesgschichte erschienen sind.

Scheinbar unspektakuläre Begebenheiten rollt Lenz bis ins Hintergründige auf, stets lakonisch unterfütternd und doch stets detailliert ausmalend (bis hin zum herzförmigen Samtkissen mit «I love you»-Schriftzug), wie man es von dem Spoken-Word-Poeten kennt. Der Zug eignet sich dafür als Austragungsort am besten: Da macht ein fieser «Bursch» Schluss mit der Pferdefänin Yolanda und die Passagiere zu unfreiwilligen Zeugen eines Beziehungs-Showdowns. Oder es wird in allen Abteilen peinlich berührt weggehört, wenn eine Dame mit einer Person namens «Schnäggli» telefoniert.

Tragik und Komik liegen nahe beieinander, wenn der Hund Alexander die gleiche Exit-Kundennummer trägt wie sein Herrchen – und sich «mönschlech uf emne ganz angere Niveau» bewegt. Immer wieder gelingt es Lenz, mit der Einfachheit seines Berner Dialekts der versteckten Vielschichtigkeit seiner beschriebenen Szenen gerecht zu werden und dem unbedeutend Kleinen wahre Grösse zu verleihen. Sei es in lautmalerischer Tierhaltersprache («jo du, jo du, jo du, jo du, jooo, jöö, säg emoll, jöö säg emoll») oder in der knapp erzählten Liebesgeschichte zweier alter Menschen und ihrem Ausflug zu den «Guschti» mit den schönen Augen.

So schillert auch ein vielerorts banal abgehandeltes Thema wie Liebe bei Lenz in vielen Farben und Formen, die vom kuscheligen Filmeerzählen im Bett bis hin zur Trauer um den sterbenden Vater reichen. Und Lenz’ Erzählungen selbst scheinen obendrein wie kleine Liebesgeständnisse ans Schweizerdeutsch mitsamt all seinen trotz behäbiger Klobigkeit doch manchmal allzu treffsicheren Ausdrücken. Lenz beherrscht, das noch gesondert erwähnt, auch die Kunst des Weglassens: Seine Texte bleiben wie Zigarettenrauch in der Schwebe hängen, scheinen ein bisschen ungefügt und unfertig. Nicht zuletzt darin liegt ihr Reiz.