Was die Redaktion auch noch las…

Ulrich Schacht «Grimsey » (Aufbau, 2015) / Ein Mann sammelt Inseln. Bevorzugt solche von arktischer Kargheit. Spitzbergen hat er ebenso besucht wie den Franz-Josefs-Archipel. Nun ist das isländische Grimsey dran. Der Mann ist alleine. Alleine mit erschossenen Möwen, deren Leiber in den Wiesen verstreut liegen, und seinen Erinnerungen. Ihn verfolgt das Bild eines kleinen Jungen, […]

Ulrich Schacht «Grimsey » (Aufbau, 2015) / Ein Mann sammelt Inseln. Bevorzugt solche von arktischer Kargheit. Spitzbergen hat er ebenso besucht wie den Franz-Josefs-Archipel. Nun ist das isländische Grimsey dran. Der Mann ist alleine. Alleine mit erschossenen Möwen, deren Leiber in den Wiesen verstreut liegen, und seinen Erinnerungen. Ihn verfolgt das Bild eines kleinen Jungen, aufgewachsen in einer nicht gerade demokratischen Demokratischen Republik. In «Grimsey» gehen Vergangenheit und Gegenwart ineinander über. Zu Recht. Denn sowohl Erinnern wie Erleben spielen sich letztlich im Kopf ab. Darauf, dass der Mensch trotz allem keine Insel bleiben muss, lässt das Ende hoffen. (FO)

 

Richard Lange «This Wicked World» (Little, Brown, 2009) / Los Angeles: Was haben ein von Hunden totgebissener Immigrant im Bus, ein von Selbstzweifeln geplagter ehemaliger Bodyguard, ein paar halbgare Handlanger und eine einsame Frau in der Wüste von Twentynine Palms gemeinsam? Genau: alle sind Teil desselben miesen Spiels in dieser hanebüchen-grossartigen Thrillergroteske. Richard Lange, der schon bei Erscheinen seines Romandebüts von 2009 (noch immer nicht auf Deutsch!) mit Genregrössen wie Elmore Leonard und Denis Johnson verglichen wurde, treibt die Geschichte mit enormer Geschwindigkeit und hoher Präzision voran, jeder Dialog dient zur raffinierten Weiterentwicklung der Figuren, selbst der übelste Mistkerl hat hier noch seinen menschlichen Moment. «L.A. Noire» vom Feinsten!