Zuverlässiges Vergnügen

Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant. Zürich: Diogenes, 2011.

Diogenes hält seit meinen Urlesezeiten am «Weiss mit Rähmchen, buntem Bildchen, schwarzer Schrift» fest, erfreulicherweise inzwischen standardmässig mit Lesebändern. Hier also findet die gequälte Seele Kontinuität, erst recht, wenn die gewohnte Form mit Inhalten eines vielschreibenden, zuverlässigen Autors gefüllt wird, und vollends, wenn dieser eine Serie beginnt, die gar Hommage an ein Genre sein soll: Martin Suter hat mit «Allmen und der rosa Diamant» schon bald nach «Allmen und die Libellen» eine weitere Ermittlergeschichte vorgelegt – und sein Versprechen eingelöst, als Reminiszenz an die Gattung der Krimireihe eine solche abzuliefern.

Allmen, ein sympathischer Jedermann, der weit über seine Verhältnisse lebt, aber nur knapp über seinem persönlichen Existenzminimum, wohnt im Glashaus, nur seine Bücher bilden so etwas wie stabile Wände, er ist weder besonders scharfsinnig noch draufgängerisch, doch mit seinem Gefühl für Angemessenheit und Würde landet er jeweils am rechten Ort zur rechten Zeit – und kann mit Hilfe seines lebenstüchtigeren guatemaltekischen Butlers Carlos sowohl in guter Schweizer Wohnlage als auch in einem Grandhotel an der deutschen Ostsee einen weiteren Kriminalfall aufklären. Nicht ganz so leicht und transparent wie die «Libellen» kommt nun Band 2 daher, jedoch spendet die Tatsache, dass man die Figuren und deren Lebenssituation schon im ersten Band liebgewonnen hat, hierfür genügend Toleranz. Der Plot ist also letztlich unwichtig, denn die Wohltat der Lektüre besteht darin, Suters Sprach- und Situationswitz sowie die Ironisierungen und Anlehnungen an die Welt des Kriminalromans zu geniessen. Überraschungen und Suspense zur Genüge, um den Leser bei der Stange zu halten und ihm mit grösstem Vergnügen seine eigenen früheren Lektüren vorzuführen: da wird an Maugham erinnert, sogar expressis verbis. Jeeves und Bertie aus Wodehouses Serie scheinen tatsächlich ein Vorbild für Butler und Allmen zu sein; unklar ist, ob die von der Kritik gesehene Nähe zu Maigret besteht – ich sehe sie nicht, vermisse sie noch weniger.

Selbst die Tatsache, dass ich bis zum Ende des «Diamanten» nicht verstehe, warum der Auftraggeber seinem Ermittler nicht sagt, wonach er wirklich suchen soll, kann ich wahrnehmen als eine Erinnerung an Chandler und Hammett, die ich, um ehrlich zu sein, auch fast nie ganz verstanden habe – und freue mich dennoch über diese Bücher: auch über weitere Allmenfolgen, bitte in Weiss, mit Rähmchen und Bildchen.