In dieser Ausgabe

Editorial

Editorial #18
Editorial #18

Liebe Leserinnen und Leser   «Ich zeichne das Gesicht der Zeit.» Dieser Satz stammt aus der Feder des Reportagejournalisten Joseph Roth. Und aus dem Jahr 1926. Das hört man. Denn welcher zeitgenössische Reporter würde auf die Frage nach dem Wesen des eigenen journalistischen Schaffens wohl noch so antworten? Kaum einer, meine ich, denn damit machte […]

Asyl im Moment

Egal, ob es an einer geistigen Störung oder bloss an postmodernem Ennui leidet: Lyrik hilft bei der Rekonstruktion des Ich. Eine Fallstudie anhand von Kurt Aeblis «Ich bin eine Nummer zu klein für mich».

Was den Leser glücklich macht
Was den Leser glücklich macht

Im Herbst 2014 geht ein heisser Anwärter für revolutionär neues Leseverhalten online: der deutsche Streamingdienst Readfy, der für Bücher das werden soll, was Spotify für die Musik ist. Der schwedische Streamingdienst Spotify ist für mich als Musikfreak grosse Klasse, es gibt wenige Online-Angebote, die ich mehr nutze oder mag. Hier was gelesen über ein neues […]

Aufstieg in die Hochliteratur

Es beginnt auf den abschüssigen Schindeln eines Kirchturms. Zwei Taglöhner, Rumtreiber mit langen Haaren, teeren das Dach. Unter ihnen, auf dem getrimmten Rasen des Kirchhofs, eine Tafel mit der Predigt zum Sonntag: Sexualität und Gott. Die beiden blicken hinab auf die Ordnung der Menschen, die nur einen kurzen, freien Fall entfernt liegt. Die Sonne verbrennt […]

Schwerpunkt

Am Küchentisch der europäischen WG
Urs Mannhart, photographiert von Claudia Mäder.
Am Küchentisch der europäischen WG

Er wagt sich immer wieder aus der gemütlichen helvetischen Stube heraus – um etwa in Sibirien mit widerborstigen Katern zu hausen: Urs Mannhart ist mit Freud und Leid des Reporterlebens bestens vertraut. Und seit kurzem auch mit dem schmalen Grat zwischen literarischer Fiktion und urheberrechtlicher Realität.

Excuse me!

Der Schriftsteller Urs Mannhart sieht sich mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert und muss sich für seinen Umgang mit Quellen entschuldigen. Übersehen wird dabei, dass das Verweben von Dokument und Dichtung zum literarischen Kunsthandwerk gehört. Darin liegt der eigentliche Skandal.

Unter der kugel-unsicheren Weste
Irena Brežná(dritte v.l.), photographiert von Valery Shchekoldin.
Unter der kugel-unsicheren Weste

Eine gehörige Portion Wagemut, zwei gut funktionierende Augen, etwas sprachliches Handwerk – und fertig ist die Kriegsreportage? Mitnichten. Sie mag sich mit dem sezierenden Blick der Kriminalbeamtin schützen und sich ins Beobachten von Details flüchten: den Fragen um den Sinn ihres Tuns entkommt die Reporterin nimmer.

Grand Hotel

«Hier ist die Réception, guten Abend, Mr. Harrison, how can I help you?» Die Stimme antwortet mir in breitgekautem Amerikanerenglisch. Ich habe den Namen vom Display des Telefons abgelesen: Es ist eine Regel des Hauses, dass man den Gast immer beim Namen nennen muss. Damit er versteht, dass wir wissen, wer er ist. Der Gast […]

Hommage oder Plagiat?

Im beschaulichen Leukerbad, wo wir Urs Mannhart ­Anfang Juli trafen, war die Welt noch in Ordnung und das Ambiente einzig vom gewaltigen Lärm gestört, den eine Baustelle verursachte. Als wir Urs mit Blick auf unseren Schwerpunkt zur literarischen Reportage zwischen Käseschnitten und Racletteomeletten nach seinen Recherche- und Handwerkstechniken befragten, kam er schon nach wenigen Sätzen […]

Kolumne

«Herr Mezger, ist dieser Text autobiographisch?»
«Herr Mezger, ist dieser Text autobiographisch?»

9.9.2014, 17:24: Michael Wiederstein schreibt: «Daniel, sag mal, ich sollte deine Kolumne seit vorgestern haben, morgen muss sie ins Layout, Autobiographie steht als Thema an, oder?» Ja, tut es, tut es, ja, Mist! Das Thema ist der eigentliche Grund für diese ­Kolumne, die Frage der Dauerbrenner unter den Schlussfragen. Endlich kann ich meine ultimative Antwort […]

Rezensionen