Auslese

Ein kleiner Rückblick auf fast ein Jahrzehnt «Literarischer Monat» mit seinen Macherinnen und Machern vor und hinter den Kulissen. Mit Lieblingstexten, Geschichten hinter den Geschichten – und natürlich Literaturtips.

 

Claudia Mäder
Praktikantin, freie Mitarbeiterin, Redaktorin, 2011–2015

Lieblingsbuch aus der Schweiz: Robert Walser: «Geschwister Tanner»

Lieblingsbuch überhaupt: Ulrich Becher: «Murmeljagd»

Bester Text aus 9,5 Jahren «Literarischer Monat»: Gedichte von Michael Fehr (Ausgabe 14, Dezember 2013).

Meine Geschichte hinter der Geschichte: Eine Expedition in die Walliser Berge auf den Spuren von William S. Burroughs: 1971 verbrachte der Beat-Poet drei Wochen in Haute-Nendaz; ein Amerikaner hatte in dem Dorf eine antiautoritäre Uni («University of the New World») aufgebaut und Burroughs als Dozent für einen Schreibkurs engagiert. Über diese Episode ist so gut wie nichts bekannt, also wollte ich vor Ort Zeitzeugen befragen. Ich hatte einen Kontakt zu zwei älteren Herren, die sich aber offenbar vor allem auf Journalistenbesuch aus dem Unterland freuten: An die seltsame Uni konnten sie sich nur vage erinnern. Wir verbrachten aber trotzdem einen sehr lustigen Nachmittag mit Fendant und der Besichtigung diverser örtlicher Sehenswürdigkeiten (insbesondere: Skistationen). Der Ausflug ist mir als ähnlich skurril in Erinnerung geblieben wie Burroughs’ Aufenthalt im Bergdorf: Anstatt an der alternativ-amerikanischen Uni zu unterrichten, hat der Dichter drei Wochen lang im Hotelbett gelegen und Science-Fiction-Romane gelesen.

Gute Literatur… braucht keine Erklärung.


Florian Oegerli
Stagiaire, dann Redaktor, 2014–2016

Dieser Schweizer Schriftsteller ist überschätzt: Max Frisch. Dann lieber Keller, Walser, Glauser oder Canetti.

Lieblingsautor*in: Habe ich nicht. Aber ehrlich gesagt lese ich privat lieber amerikanische als deutschsprachige Literatur. Zuletzt beeindruckt hat mich «The Amazing Adventures of Kavalier & Clay» von Michael Chabon.

Sicher nicht der beste Text aus 9,5 Jahren «Literarischer Monat»… – aber ich erinnere mich gerne daran, wie meine allererste Rezension – ein experimenteller Verriss in Form eines Dialogs zwischen Michael Stauffer, dem Schreiblehrer, und Michael Stauffer, dem Autor – Chefredaktor Michael Wiederstein ein «Geil!» entlockte.

Auch immer ein Highlight: Mit den anderen Redaktor*innen über den Betrieb zu tratschen. Und die Interviews, z.B. mit Pedro Lenz beim Zmorge-Kafi (Ausgabe 26, Oktober 2016)

Guter Literatur muss man anmerken, dass besessen daran gefeilt wurde, sie muss überraschen und der Leserschaft den Boden unter den Füssen wegziehen.


Laura Clavadetscher
Praktikantin, dann Redaktorin, 2018/19

Liebster Schweizer Schriftsteller: Robert Walser, der grossspurig-bescheidene, ­zerknitterte und verwinkelte Lebemann, humoristische Hakenschlager, Meister des non sequitur.

Lieblingsbücher sind ja oft nicht die bedeutsamsten, die man je gelesen hat, ­sondern vielleicht die, von denen man wünscht, man hätte sie selber geschrieben. Deren Charme, wenn man so will, ­einen mit voller Breitseite erwischt. Mein Lieblingsschriftsteller, chronisch: Samuel Beckett («Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues»), akut: Viktor Pelewin, Donald Antrim, Kenah ­Cusanit.

Bester Text aus 9,5 Jahren «Literarischer Monat»: Philipp Theisohn: «Verlogenes Pack» (Ausgabe 32, März 2018).

Mein LM-Highlight: ein…

Philipp Theisohn, fotografiert von Ayse Yavas.
«Der Seismograf der
literarischen Schweiz.»
Philipp Theisohn, Literaturwissenschafter,
über den «Literarischen Monat»