Hundekeks und Güllenloch

Anja Siouda: Steine auf dem Weg zum Pass. Marbach am Neckar: Alkyon, 2010.

Die marokkanische Studentin Halima wird von einem Zuhälter unter falschen Versprechen in die Schweiz gelockt. Ein Freier mit Hund fesselt sie nackt und steckt ihr einen Hundekeks zwischen die Beine. Derweil der Köter nach ihm schnappt, schnappt der Leser nach Luft. Später zurrt die Gepeinigte dem Freier mehrere Kondome so eng ums Gemächt, dass ihr Zuhälter sich genötigt sieht, sie loszuwerden. Er gibt ein Inserat auf: «Junge Frau sucht netten Schweizer Bergbauern.» Martin, der mit seinen zwei Brüdern Otto und Ernst ein von trostlosester Dumpfheit geprägtes Leben fristet, meldet sich. Im Oktober 1987 trifft die 23-jährige Muslimin auf dem abgelegenen Bergbauernhof beim Brünigpass ein. Otto, völlig abgesoffen, versucht bereits am zweiten Tag, Halima zu vergewaltigen. Dennoch verwöhnt sie die Brüder kulinarisch, putzt wie wild und haucht dem Bauernhof neues Leben ein. Bis das grosse Sterben beginnt: Otto wird von einem Eiszapfen erschlagen, Martin entledigt sich der Leiche in der Jauchegrube. Halima erleidet eine Totgeburt; das Kind stammt von Ernst, der beim Holzen verblutet.

Halima wird von Martin, den sie liebt, weil er immerhin anständig ist, schwanger und gebärt Ismael. Erst jetzt kauft der Bergbauer ein deutsch-französisches Wörterbuch, das Gespräche ermöglicht; als er jedoch sieht, wie Halima mit einer Rasierklinge am Glied seines schreienden Sohnes herummacht, stellt er keine Fragen, sondern reisst sie weg und bricht ihr den Arm. Und realisiert rasch: Halima hat Ismael beschnitten. Während seine Eltern fortan über ihre Religionen philosophieren, stirbt der zweijährige Ismael in der Jauchegrube. Seine Mutter erliegt der Hepatitis, worauf sich zu allem Überfluss noch Martin unter die Brünigbahn wirft.

Gewiss: Die Naturbeschreibungen sind gelungen. Die Geschichte aber ist an den Haaren herbeigezogen – und der Rezensent ratlos: versucht Anja Siouda in ihrem Erstling, Christentum und Islam zu versöhnen? Gar eine Lanze zu brechen für den Islam, der Halima während ihres Martyriums die innere Würde verleiht? Sollte es eine eindeutige religiöse Konnotation in «Steine auf dem Weg zum Pass» geben: sie dringt nicht durch den überkonstruierten Plot. Zu beklagen sind überdies 86 Kommafehler. Mikrotypographische Mängel runden das dürftige Bild ab.