Unnötige Ausgaben

Ein offener Brief

Unnötige Ausgaben
Michael Stauffer, photographiert von Tobias Bohm.

Sehr geehrter Herr Demi Peter,

Sie arbeiten mit spärlicher und kaum fühlbarer Arbeitsmoral für eine Gemeinde, deren Gemeinderat nach den Sommerferien mit Erstaunen davon Kenntnis genommen hat, dass das Defizit der Jahresrechnung 2013 höher als geplant ausfallen wird. Infolgedessen hat der Gemeinderat zur Wahrung des Scheins zusätzliche und sofortige Sparmassnahmen angeordnet. Natürlich alle auf dem Buckel der am schlechtesten organisierten Bevölkerungsgruppen. Das Stimmvolk hat das Budget zum Glück dann auch völlig zu Recht abgelehnt.

Es wurde – zu Ihrem Glück – von der Gemeinde also nur ein Ausgabenmoratorium, ein Anstellungsstopp sowie der Verzicht auf die Schaffung neuer befristeter Stellen beschlossen. Man hätte ja auch darüber nachdenken können, ob Sie, lieber Herr Demi Peter, mit Ihrer Bürgerunfreundlichkeit für die Stadtverwaltung weiter beschäftigt werden sollten oder nicht. Nun arbeiten Sie, lieber Herr Demi Peter, aber weiterhin halbherzig und halb unsichtbar an Ihrem Arbeitsplatz und trennen fleissig, wie Sie es sagen, Arbeit und Freizeit. Sie können Ihre Anwesenheitspflicht und Erreichbarkeit sogar weiter verschlechtern respektive endlich rechtfertigen, ohne rot zu werden. 

Da, wo Sie, lieber Herr Demi Peter, nämlich arbeiten, war schon vor den Budgetpro-blemen ab Freitag 10.15 Uhr und bis Montag 16.00 Uhr ausser einem überforderten Lehrling nie jemand zu erreichen.

Als ich Sie einmal an einem Freitag um 10.30 Uhr anrief, weil die Heizung in einem von Ihnen gemieteten Raum wieder einmal nicht richtig funktionierte, und ich deswegen nicht einfach – wie Sie und Ihr ganzes Büro – blaumachen wollte, liessen Sie sich vom nun vollends überforderten Lehrling zuerst verleugnen. Da ich dann aber anmerkte, dass ein öffentliches Amt auch an einem Freitag zu erreichen sein müsse, liessen Sie mir mitteilen, dass Sie an einem Freitag sowieso nie arbeiten würden. Wenn Sie ausgestempelt hätten, dann hätten Sie eben ausgestempelt.

Lieber Herr Demi Peter, wie Sie wissen, hat der Gemeinderat nun eine Weisung erlassen, die besagt, dass Geld nur noch für gebundene Ausgaben respektive für unumgängliche Verpflichtungen ausgegeben werden darf. Ich frage mich: Fallen Sie darunter? Sind Sie eine Ausgabe, die absolut notwendig ist, um das Funktionieren der Gemeinde aufrechtzuerhalten?

Nein, ich glaube nicht. Ich werde deshalb dem Gemeinderat raten, in seiner nächsten Weisung zum Umgang mit Budgetkrisen zu betonen, dass in solchen Ausnahmefällen zuvorderst sämtliche demotivierten, faulen und bürgerfeindlichen Angestellten als nicht gebundene und nicht unumgängliche Ausgaben zu deklarieren und mit sofortiger Wirkung auf die Strasse zu stellen sind.

Beste Grüsse,

Ihr Stauffer