Welten

Welten Wenn die Welt kommt in unsere Welt kommt welcome in unserer Welt kommt ins Weltreich reich kommt in unsere Welt kommt zur Welt reich zur Welt kommt wenn die Welt reicht in unser Weltreich   Teilzeitgehirne gehen Gassi auf der Wiese nix zu fressen und wessen Hund kackt heute in meinen Garten? Kuhhaut über […]

Welten

Wenn die Welt kommt
in unsere Welt kommt
welcome
in unserer Welt
kommt ins Weltreich
reich kommt
in unsere Welt
kommt zur Welt
reich zur Welt kommt
wenn die Welt reicht
in unser Weltreich

 

Teilzeitgehirne gehen Gassi

auf der Wiese nix zu fressen
und wessen Hund
kackt heute in meinen Garten?
Kuhhaut über den Dächern
fellt in den Regen
und die wunderbare Scheinwelt
sich dagegen aufbläht
Im Kopf platzt der Kragen
aus allen Nähten
und unsichtbare kleine Tropfen
überziehen das Feld
auf dem die Raben schwarze Rinden
picken
bis nichts mehr
übrig bleibt

 

Weltausstellung

Zeigt der Welt die Weltansicht
erklärend an fassbarem Gut
gesichtet in Türmen fassungslos
sorgenfrei hinter essbaren Wänden
geben die Gitterstäbe die Sicht
nicht frei auf die freie Form
der Weltengemeinschaft in Machenschaften
verzahnt die Holzstrickbauweise in Attitüden
des Genusses fremder Häutungen
verhaftet als Gebärden auf den endlosen Bannern
der Hierarchie und Sympathie staatlich geprüft
im Mund zerschmelzend und mit Löffeln gefressen
so viel Nichts gelernt dabei der Konsum
das Muster der Messe von morgen
bleibt

 

In die Jahre gekommen

Wir sind in die Welt gekommen
und haben nicht gewusst, wohin
der Staat war schon da, lange bevor
ungeduldig in seiner Neugier

Wir sind geblieben in der Strasse,
in der wir uns auskannten
blieben die Häuser grau und der Staat
war zerbrechlich, wie wir
in unserer Heimat loszogen
das Ernten zu lernen

Die Welt kam uns zu, nachdem
der Staat geheilt war von der Zeit,
Überzeugung darniederlag in den grauen Strassen,
uns so vertraut, dass die mitgebrachten Farben
nur komisch aussahen und künstlich

Lange wollten wir nicht warten, an den Haltestellen
hatten Störche ihre Nester gebaut,
uns der Höhe beraubt, die davonflog über
die Grenzen hinweg

Wir sind in die Welt gegangen
und haben nicht gewusst, wohin
der Staat war schon da, abermals da,
wo die Landkarte im Schubfach lag
war das Land ohne Namen, die Strassen mit Kreide
übermalt der graue Beton aus Zeit,
der Ewigkeit nicht standhält und Eisen
fliesst aus den Mauern, auf den Grünstreifen
der Hinterhöfe werden immer noch
Tauschgeschäfte gemacht

Die Freiheit ist in die Jahre gekommen,
wir sind noch nicht da und gehen
nicht weg aus der Zeit, die mit uns
läuft, immer auf der Spur
der Steine, welche uns fehlen im Memorandum
entdecken wir ab und zu die Kinder
von damals, spielend im Sand, weiss wie Asche,
die jetzt aufsteigt und davonfliegt mit dem
in die Jahre gekommenen Staat

Wir sind in die Welt gekommen, um zu bleiben
 

Unbestimmte Zeiten

Die Zeiten, in denen wir leben,
Sind nicht bestimmt
Durch der Stimmen hohlraumverzerrtes Gelächter
Dringt das Echo der Wächter nur leise empor
Und versiegt in der Vielschichtigkeit
Des Grün
Das die Bäume herabfallen liessen
In Zeiten, in denen das Leben
Unbestimmt schien.

Wirklich, die Zeiten, in denen wir leben,
Werden bestimmt!
Wenn wir nicht die uns vertrauten Worte
Aus ihrer Beliebigkeit Hülle
Zurück in die Vorgärten unserer Häuser ziehn!

 

An die Nachkommenden

I
Die Statuten der menschlichen Gesellschaft

halten der Freiheit nicht stand.

Sie sprachen von Gleichheit
und führten das Gleichnis ein
Sie verhandelten über Würde
und führten die Ehre ein
Sie diskutierten über Werte
und führten uns in den Konsum
Sie philosophierten über Weite
und gaben uns die Unendlichkeit
Und als sie von Freiheit redeten
hörte niemand mehr hin
Denn sie
hatte uns den Verstand geraubt.

 

II
Die Zeit, in der ich lebe

ist ein rasanter Lebensfaktor
und ein Vehikel
in dem wir es uns bequem machen
solange es zumutbar ist.

Ich bin eingestiegen auf Gleis 1
und es war zumutbar
In den Wartesälen bröckelt die Stunde
und die Zeit rollt schnell
dahin.

Am anderen Ende der Leitung
erholt sich der Kopf nicht vom Schlaf
Es zieht voran die Gleichung
löst sich nicht auf
und die Zeit rollt schnell
dahin.

Ich bin aufgesprungen auf Gleis 4
und es war zumutbar
In den Wartesälen gibt es kein
Warten mehr
und die Zeit fehlt an der Uhr
schon 12!

Ich bin angekommen auf Gleis 13
und die Wartesäle sind nicht mehr
konsumfrei, doch hier
gibt es keine Würde
gibt es keine Werte
gibt es keinen Verstand.

Am anderen Ende der Leitung
erholt sich der Kopf nicht vom Fahren
Es zieht voran die Gleichung
löst die Zeit nicht auf
und schrumpft auf ein zumutbares
Mass.

 

III
Und Ihr, die Ihr kommen werdet

über unsere Zeit zu urteilen
Erinnert Euch der Sprachlosigkeit der Herde
Und jedermann jedefrau jedeskind
wird in die Zeit geheilt sein
die es im Stande ist zu durchbrechen
Von unserer Vergangenheit zum
obersten Licht.

Das menschliche Ausmass in seiner Begrenzung
bleibt in jeder Gegenwart blosse Fiktion
Die Dimensionen erachten uns
auf trügerische Weise
den Verrat.

Ihr werdet ihn vielleicht enthüllen
und gleichwohl in unserer Fährte gehen
Solange der ewige Pfeil der Zeit
in einer Richtung menschliches Blut
durchströmt.
 

 

Entzug

Normalerweise ist das Leben
in Bezug
gefüttert und gereinigt und
selbst bezogen.

Weizengrashot

Normalerweise ist in Bezug
auf das Leben
die Existenz wichtiger
als Gras
in Futterkrippen.

 

Schattendasein

verhuschtes Frauchen
im Frauengewand
der Wand entlang
gehuscht

Wendel im Ohr
gibt Richtung vor
auf Zehenspitzchen
gewandelt

scheinbares durch
schönes Gsichtchen
unter Kreuzstickereien
scheint nicht

nach draussen

in die Öffnung
der Macht
hat’s Männchen
getan

die Verlockung
lockt
der Lockerheit
Zäunchen setzen

Sagt’s der Koran

 


 

Nadeshda Müller
ist Gewinnerin des diesjährigen TREIBHAUS-Lyrikwettbewerbs. Die Architektin und Denkmalpflegerin aus Luzern konnte den Livewettbewerb am 23. September 2016 in Schaan (FL) für sich entscheiden. Das Team des «Literarischen Monats» gratuliert an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich!