Daniel Mezger, zvg.

«Herr Mezger,
wie bringt man die Leute
wieder zum Bücherlesen?»


Lassen Sie uns über Serien reden. Gerade ist die letzte der Grossen zu Ende gegangen. Sie wissen schon, die da mit Drachen und Sex und Hastenichtgesehen. In meinem Fall: Habe ich tatsächlich nicht gesehen, mitreden kann ich trotzdem, es wurde ja breit berichtet. Sie ist die letzte ihrer Art, nicht weil es keine Serien mehr gäbe, sondern weil es so viele gibt und das Phänomen längst in den versplitterten Jedem-das-Seine-Kämmerchen angekommen ist, wo kein allgemeines Das-muss-man-gesehen-Haben mehr existiert. Wir kennen diesen Weg, die Musik ist ihn gegangen, die Literatur und nun der aktuelle Feind von letzterer: der Siebzigteiler.

Wieso ich Feind sage? Seit man sich glotzenderweise nicht mehr unter seinem Wert unterhalten fühlt, ist der Buchmarkt eingebrochen. Drastisch. Und daran sind bestimmt nicht illegale Downloads schuld, in Bibliotheken bekommt man Bücher ja auch umsonst. (Und, kurzer Einschub, Schreibende bekommen für beiderlei gleich viel: Nix. – Ist das so? – Ja, das ist so!)

Die Buchbranche hat auf lange Sicht versagt. Sie setzt auf Literatur als Allgemeingut, setzt auf eine Lobbyarbeit, die es zwar schaffte, das Produkt am frühestmöglichen Punkt zu platzieren. Als Schulstoff. Aber wo andere Drogen wie Nikotin bei der frühen Verabreichung langanhaltende Absatzzahlen hervorrufen, scheint es bei Literatur den gegenteiligen Effekt zu geben. Zu früh verabreicht löst sie Widerstand aus («Zu anstrengend!»). Steigt man aber mit allzu stark gestreckter Ware ein, halten Lesende jede gedruckte Buchseite für Literatur. (Spielplatzrandelterndauergespräch: «Du bist Schriftsteller, spannend, ich bin ja auch eine Leseratte, kennst du das neue Buch von Martin Suter?!»). Unterhaltungsliteratur lässt sich allerdings getrost durch gehobenes Streamen ersetzen.

Darum Lösung, um zumindest die Absatzzahlen wieder zu steigern: Sexy durch Nische! Elitär werden. Literatur für Unterachtzehnjährige verbieten, Berichterstattung mit Warnungen: Dieses Buch ist zu krass, nur die wenigsten trauen sich ran.

«Ulysses» fährt seit Jahrzehnten gut damit. Oder haben Sie es etwa gekauft und gelesen?

«Das Magazin, das in der
Schweiz gefehlt hat!»
Peter Stamm, Schriftsteller,
über den «Literarischen Monat»