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Daniel Zahno: «Mama Mafia»

Daniel Zahno:
«Mama Mafia»

 

Daniel Zahno legt nach einem schmalen Wanderführer fürs Basler Umland einen Mafia-Thriller vor, der in New York angesiedelt ist. Zahno hat sich das Mafia-Meisterwerk schlechthin – «Billy Bathgate» des 2015 verstorbenen US-Autors E.L. Doctorow – als Vorlage auserwählt, Ereignisgerüst und Figuren übernehmend, die Handlung aus den 1920ern ins Heute übertragend: «Alles fing im Apple-Store an.»

Doch Zahno fehlt die poetische Sprachkunst und die überwältigende Bildlichkeit der Beschreibungen, die Doctorow für sein Zeitbild einer prägenden, aber untergegangenen Kultur wählte. Er schreibt in einfachen Bildern, pflegt eine saloppe Wortwahl, reiht knappe Sätze aneinander: «Harvy machte einige Schritte auf den offenen Holzsarg zu, der rundum mit Leopardenfell überzogen war. Es duftete nach Rosenblüten und Vanille. Diskret trat er näher, um das Gesicht zu sehen. Ein seidiger Glanz lag darauf, Schmerz war nicht auszumachen. Es sah aus wie das eines Menschen, der schlief. Augen und Mund waren geschlossen. Der Schrecken des Todes schien fern.» Die Atmosphäre stimmt, die Handlung wird vorangetrieben, nun gut. Zahno zerredet jedoch leider die Gewaltszenen, sie sind keine Nägelkauer, sondern erscheinen wie Organigramme eines Verbrechens: ein Krachbummpengkrimi.

«Mama Mafia» ist kein Werk, das die Zeiten überdauern wird wie «Billy Bathgate», aber dem 1963 geborenen Basler Zahno gelingt mit sicherer Hand ein bissiger, bunter Krimi mit rasanter Szenenfolge. Die ewig junge Handlung vom Aufstieg des Laufburschen und Strassenkünstlers (jetzt: Fahrradkurier und Garagenband-Sänger) zum Protégé eines Syndikatchefs (nicht Dutch Shultz, sondern: «Tony Tangeroli. Nenn mich Tony») verwendet die genreüblichen Versatzstücke von Vertrauensbruch und Betrug in der ehrenwerten Familie, die Verlockungen einer irren Liebe und schwelende, gelegentlich auflodernde Bandenkriege. Zahno füllt diese Mafia-Passepartouts mit Barista-Bars, Billboard-Charts, Headsets, iMacs mit Retina-Display und aktualisiert die heimlichen Treffs auf Feuertreppen schäbiger Mietskasernen fürs 21. Jahrhundert: «In der Lobby des Headquarters durchlief [Harvy] die üblichen Sicherheitskontrollen, dann fuhr er, wie angewiesen, mit dem Lift in den Keller hinunter, wo Tony einen exklusiven Nachtclub betrieb.» So liest sich «Mama Mafia» über weite Strecken. Alter Wein in neuen Schläuchen, aber als lakonisch-verwegen verfasste Spannungslektüre beweist der Roman immerhin: Mafia und New York, das geht immer und überall.

Daniel Zahno: Mama Mafia. Frankfurt a.M.: Schöffling, 2017.

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