Was den Leser glücklich macht

Im Herbst 2014 geht ein heisser Anwärter für revolutionär neues Leseverhalten online: der deutsche Streamingdienst Readfy, der für Bücher das werden soll, was Spotify für die Musik ist. Der schwedische Streamingdienst Spotify ist für mich als Musikfreak grosse Klasse, es gibt wenige Online-Angebote, die ich mehr nutze oder mag. Hier was gelesen über ein neues […]

Was den Leser glücklich macht

Im Herbst 2014 geht ein heisser Anwärter für revolutionär neues Leseverhalten online: der deutsche Streamingdienst Readfy, der für Bücher das werden soll, was Spotify für die Musik ist.

Der schwedische Streamingdienst Spotify ist für mich als Musikfreak grosse Klasse, es gibt wenige Online-Angebote, die ich mehr nutze oder mag. Hier was gelesen über ein neues Album von Interpol, da gleich gefunden, reingehört, gespeichert. Für eine kleine monatliche Gebühr werbefrei, unlimitiert und sogar offline verfügbar, zu Hause, beim Laufen, in der Bahn, im Büro.

Für mich als Verleger ist Readfy eine Katastrophe. Der Dienst wird für die Nutzer kostenlos und komplett werbefinanziert sein, die Gebühren, die an uns Verlage und an die Autoren zurückfliessen, werden wie bei Spotify euphemistisch gesagt minim sein. Wie bei Spotify werden im Erfolgsfall wohl nur die Gründer damit Geld machen, die dafür nicht zu knapp.

Der Unterschied zwischen den Musikern und den Autoren ist der, dass die ersteren sich schon vor einiger Zeit von der Vorstellung verabschiedet haben, mit Tonträgern Geld zu machen. Sie kompensieren den Einnahmeverlust mit Liveshows und Merchandising und eigentlich verschenken sie ihre Musik zu Promozwecken an Spotify.

Das werden die Verlage und Autoren bei Readfy auch tun müssen – nur dass die Autoren die Einnahmeverluste kaum mit Lesungen werden kompensieren können. Dem Leser wird das egal sein. Readfy hat per Crowdfunding in 6 Wochen gemäss Eigenaussagen eine halbe Million Euro Startkapital eingesammelt, daraus ein Bedürfnis für den Dienst abzuleiten, ist legitim: Readfy wird gewinnen, wenn es die Leser glücklich macht, nicht uns Verlage oder die Autoren.

Mitmachen werden sie trotzdem, und je mehr mitmachen, desto grösser wird der Druck für alle anderen. Die Salis-Titel aber werden die allerletzten bei Readfy sein, erst dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Dennoch habe ich beim Schreiben dieser Kolumne auf Spotify Lary und Trentemøller gehört und einmal mehr dabei gedacht: tolles Angebot.