Digital ist besser / VI

Während sich das frühjährliche Treiben der Buchbranche in einer aufgeräumten und unaufgeregten Buchmesse Leipzig manifestierte, vermisste ich ein Thema in den Messehallen und bei den Verlagspartys: das Thema E-Book. Neue Zahlen zum E-Book-Markt* erklären, warum: 2014 wuchs dieser zögerlicher als in den Jahren zuvor; mit 4,3% Anteil am gesamten Publikumsmarkt scheint die Relevanz des digitalen […]

Digital ist besser / VI

Während sich das frühjährliche Treiben der Buchbranche in einer aufgeräumten und unaufgeregten Buchmesse Leipzig manifestierte, vermisste
ich ein Thema in den Messehallen und bei den Verlagspartys: das Thema E-Book. Neue Zahlen zum E-Book-Markt* erklären, warum: 2014 wuchs dieser zögerlicher als in den Jahren zuvor; mit 4,3% Anteil am gesamten Publikumsmarkt scheint die Relevanz des digitalen Buchs kleiner als von vielen kolportiert. Dazu passt ein Artikel der «Huffington Post»**, der zum Schluss kommt, das Lesen von gedruckten Büchern werde wieder beliebter, je jünger die Zielgruppe sei. Logische und chronologische Zusammenhänge könnten auf Papier viel besser erfasst werden als beim digitalen Lesen – was offenbar vor allem Teenager zu schätzen wüssten.

In diesem Jahr standen keine Tablets mehr an den Messeständen in Leipzig, kaum neue E-Reader wurden gezeigt, die omnipräsenten QR-Codes sind auch weitestgehend verschwunden. Verlage erwähnten nicht einmal, ob sie überhaupt E-Books publizieren, es fanden kaum noch Panels oder Workshops zum Thema statt – und wenn, so hatten sie Titel wie «Wir sind elektrisch». Man könnte meinen: die Kulturpessimisten hätten den digitalen Feind erfolgreich in die Flucht geschlagen.

Dem ist natürlich nicht so. Nach dem erstaunlich lange andauernden Hype ist das E-Book nun aber seiner medialen und diskursiven Attraktivität entledigt, es hat ausgedient als Projektionsfläche für die Branchenzukunft – utopisch oder dystopisch –, es ist nun einfach eine weitere Art, Buchinhalte zu publizieren. Es gibt weit und breit keine Anzeichen dafür, dass das E-Book zur permanent schwelenden digitalen Todesdrohung gegen das analoge Kerngeschäft würde, so wie das bei Online-Zeitungen passiert ist.

Das E-Book ist in der Normalität angekommen und wird sich genau da in aufgeräumter, unaufgeregter Stimmung stetig weiterentwickeln, still und leise, während die Karawane weiterzieht und den nächsten Hype sucht.

 


*boersenblatt.net, 3.3.15.

**Huffington Post, 27.2.15.