«Herr Mezger, wird Ihr Buch verfilmt?»

Jeder Roman, der literarisch etwas auf sich hält, ist unverfilmbar. Er tut – und dies auch noch mit Absicht – Dinge, die bloss in der Literatur funktionieren. Ob es sich beim Geschilderten um Wahrheit handelt, bleibt offen. Es wird in Zeit- und Gedankenebenen hin- und hergesprungen. Äusserlichkeiten werden bloss angedeutet, man soll sich den Rest […]

  1. Jeder Roman, der literarisch etwas auf sich hält, ist unverfilmbar. Er tut – und dies auch noch mit Absicht – Dinge, die bloss in der Literatur funktionieren. Ob es sich beim Geschilderten um Wahrheit handelt, bleibt offen. Es wird in Zeit- und Gedankenebenen hin- und hergesprungen. Äusserlichkeiten werden bloss angedeutet, man soll sich den Rest selbst ausmalen. Denn das ist Prosa: Die Skizze für einen Tagtraum. Man darf ihn lesend zu Ende träumen.
  2. Das Pendant zum literarischen Roman? Der filmische Film. Die Bilder erzählen die Geschichte. Man schaut von aussen und muss erraten: Was geht wohl im Inneren dieser Menschen vor?
  3. Was man so gemeinhin im Fernsehen sieht, ist derweil recht unfilmisch. Abgefilmte Theaterstücke. Hörspiele mit Bebilderung: «Wenn der Täter zu dieser Uhrzeit hier war (man sieht eine Karte), macht mich das doch etwas stutzig (man sieht, wie der Schauspieler die Stirn in Falten legt), hast du nicht auch den Eindruck, dass wir nochmals hinfahren sollten? (Man sieht das Nicken der Kollegin, man sieht, dass sie nochmals da hinfahren).»
  4. Solche Drehbücher lesen sich leicht. Man kann sich ja alles sehr gut vorstellen. Und ja, man wird Recht behalten… Aber ja, man muss es sich auch gut vorstellen können, sonst bekommt man das Geld für so ein überteuertes Unterfangen nicht zusammen.
  5. Es geht hier um Film und beim Film geht es immer um Geld!
  6. Romane kann man sich gut vorstellen. Beim Lesen hat man den Film ja schon gesehen. Vor dem inneren Auge zumindest.
  7. Und dann muss man alles weglassen, was den Roman zum Roman macht: Fort mit Achtzig Prozent der Handlung, mit dem Blick von innen aufs Aussen, mit der Flexibilität von Lüge, Wahrheit und zeitlicher Verordnung.
  8. Den Schriftsteller muss dieser Kahlschlag wenig kümmern. Man kommt selten so gut weg wie hier: Wird der Film gut oder erfolgreich oder sogar beides, dann ist das beste Werbung fürs Buch. Wird er schlecht, hört man ebenfalls nur Lob: Der Roman war viel besser!
  9. Ach ja, welch Freude: Mein Roman ist optioniert. 


Nächstes Mal: Herr Mezger, wenn ich es recht verstehe, geht es in Ihrem Text um …