Scherz Autovermietung Ltd.

In Barcelona habe ich einen Mietwagen der Firma Scherz Autovermietung Ltd. vollgetankt und in tadellosem Zustand zurückgebracht. Eine Mitarbeiterin ist daraufhin ins Auto gekrochen und rundherum gestreift wie ein Drogenhund und hat mir lächelnd bestätigt, dass alles tadellos sei. Wieder daheim, erreichte mich die Rechnung. Auf ihr war dann eine Summe von 80,00 Euro aufgeführt, die nichts […]

Scherz Autovermietung Ltd.
Michael Stauffer, photographiert von Matthias Bohm.

In Barcelona habe ich einen Mietwagen der Firma Scherz Autovermietung Ltd. vollgetankt und in tadellosem Zustand zurückgebracht. Eine Mitarbeiterin ist daraufhin ins Auto gekrochen und rundherum gestreift wie ein Drogenhund und hat mir lächelnd bestätigt, dass alles tadellos sei.

Wieder daheim, erreichte mich die Rechnung. Auf ihr war dann eine Summe von 80,00 Euro aufgeführt, die nichts mit der Miete zu tun hatte. Ich fragte freundlich nach. Nach der vierten Antwortmail forderte ich die Firma Scherz Autovermietung Ltd. auf, mir eine Antwort zu schicken, von welcher ich den Eindruck hätte, ein MENSCH hätte sie geschrieben und nicht eine Maschine.

Die Überweisung der 80,00 Euro liess ich in der Zwischenzeit von der Kreditkartenfirma vorsorglich sperren. Die Firma Scherz Autovermietung Ltd. teilte mir nach weiteren sieben Mails mit, man habe mein Anliegen nun überprüft und könne mir mitteilen, dass die Berechnung der Rate in der vorliegenden Form korrekt sei. Eventuelle Missverständnisse bitte man zu entschuldigen. Weitere Überprüfungen hätten allerdings ergeben, dass mir auch Schadenskosten in Rechnung gestellt worden seien. Gleich im Anschluss las ich: «Wie finden Sie unseren Service? Bitte klicken Sie auf den untenstehenden Link, um eine kurze Bewertung über uns abzugeben.»

Es gab natürlich lauter Nullen und eine erneute Mail an Scherz Autovermietung Ltd. mit der Aufforderung, den Schaden zu benennen und zu belegen. Darauf erhielt ich unglaublich schnell wunderbare Farbphotos und die Mitteilung, dass die spanische Schadensabteilung die noch offenen 80,00 Euro für die Reinigung des Fahrerraums berechnet habe.

Ich stellte mir vor, wie die spanische Mitarbeiterin nach meiner Rückgabe mit dem Auto an den Strand gefahren ist und dort schaufelweise Sand in den Fahrerraum gekippt, Photos davon gemacht und dann die 80,00 Euro verrechnet hat.

In meinem abschliessenden Liebesbrief an die Firma Schmerz Autovermietung Ltd. gab ich meinem Staunen Ausdruck, dass in einem Land mit 23 Prozent Arbeitslosenquote dermassen schlecht motivierte Mitarbeiter angestellt seien, die für 10 Minuten Staubsaugen offenbar 9 Stunden bräuchten – anderweitig käme man ja nie auf 80,00 Euro Arbeitskosten.

Ich legte weiter mein grosses Verständnis für findige Methoden dar, die Eurokrise auszuhebeln, und löschte mein Kundenkonto bei der Firma Schmerz Autovermietung Ltd. und hoffe, dass diese bald an ihrem eigenen Sand im Getriebe ersticken möge. Multinationale Franchising-Pfeifen! Ich miete in Zukunft meine Autos wieder bei Kleinstvermietern, deren Gefährte schon vor Mietantritt aussehen, als hätte jemand darin gewohnt. 


Michael Stauffer bei «Zürich liest»: «Spoken Script». Freitag, 25. Oktober, 14.00 Uhr, Cabaret Voltaire, Spiegelgasse 1, Zürich.